September 2004

Aktuelles aus Lüneburg   

        [Archiv]     [Veranstaltungen] Startseite Luene-Info Lüneburg
 

Der Tag des offenen Denkmals

am 12.09. 2004 mit dem Thema "Wasser"
Erkunden Sie bei einem Rundgang durch die historische Innenstadt besondere "Wasserdenkmäler Lüneburgs. Ein Informations-Flyer hierzu erhalten Sie u.a. im Lüneburger Wasserturm.
Von 10 bis 18 Uhr öffnen sich folgende Denkmäler zum Thema Wasser:




Wasser ist auch heute Symbolträger und Lebensquelle. Wasser ist Leben spendend, Heil und Segen bringend. Wasser bedeutet aber auch Überschwemmungen und Sturmfluten. Wasser bringt selig-geistige Reinigung, Erneuerung und Erlösung - in der Taufe oder im Weihwasser. Mit dem Wasser sind Heilserwartungen verbunden. Wundertätige Brunnen und Quellen waren und sind Ziele von Pilgerfahrten.

Wasser zählt zu den fundamentalen Bereichen des Lebens. Wasserleitungen, Wasserkünste und Brunnen versorgten im Mittelalter nicht nur die Haushalte, sondern auch die vielen Brauereien in der Stadt. Wasser lieferte Energie etwa für die Mühlen. Bei der Feuerbekämpfung muss Wasser rasch zur Verfügung stehen. Zur Reinigung des Körpers aber auch zum Vergnügen schätze man im Mittelalter das Wasser in der Badestube und genießt es heute im Spaßbad.

Faust spricht mit Goethes Worten in der Walpurgisnacht: Alles ist aus dem Wasser entsprungen! Alles wird durch das Wasser erhalten! Ozean, gönn uns dein ewiges Walten!
abwasserkunst
Der Tag des offenen Denkmals ist in diesem Jahr dem Thema "Wasser" gewidmet. Lüneburg liegt an der Ilmenau, die schon den ersten hier siedelnden Menschen Wasser lieferte. Im Mittelalter versorgten Wasserleitungen und seit dem 16. Jahrhundert auch Wasserkünste mit ihren Brunnen die immer größer werdende Stadt.
brunnen Wasser löste das Salz und transportierte die Sole zu den Siedehütten - der Reichtum der Stadt. Im Hafen mit dem Kran wurde es verladen und in den Ostseeraum verschifft.

In den Kirchen werden Kinder im Wasser der Taufbecken getauft. Ratsmühle, Abtswassermühle und Lüner Mühle sind Zeugen der vom Ilmenauwasser angetriebenen Industrieanlagen.
Rats-wasser- und Abtswasserkunst belegen, dass die flächendeckende Versorgung der Stadt mit Wasser eine große Bedeutung hatte. Der Wasserturm aus dem frühen 20. Jahrhundert, der heute eine ideale Möglichkeit darstellt, einen Blick über die reizvolle Stadt zu werfen, ist seit seiner Sanierung der Ort geworden, sich über das Thema Wasser zu informieren. Am Tag des offenen Denkmals wird dort die Ausstellung "Wasserspiele" eröffnet. Objekte zum Thema Wasser in Lüneburg werden in einer sprudelnden Reihe präsentiert. Turbulenzen sind beabsichtigt.

Die Kirchen präsentieren ihre historischen Taufbecken. Wir laden Sie, das Thema Wasser in der Stadt Lüneburg zu entdecken und im Wasserturm die Ausstellung "Wasserspiele" zu besuchen.

Doreen Wroblewski
Dr. Edgar Ring



Wasserspiele - eine Ausstellung zum Thema Wasser im Lüneburger Wasserturm
Die Ausstellung soll keine Geschichte des Wassers, der Wasserversorgung oder der Abwasserbeseitigung in Lüneburg darstellen, sondern assoziativ mit dem Thema Wasser spielen. Die Ausstellung ist nicht chronologisch oder thematisch gegliedert, man begegnet Programmpunkten zum Thema Wasser. Objekte, Texte und Bilder führen in Themenbereiche ein. Der Besucher ist gefordert, sich das Thema "Wasser in Lüneburg" zu erschließen.
Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Wasserturm, dem Museum für das Fürstentum Lüneburg und der Stadtarchäologie Lüneburg. 1906/07 wurde der Wasserturm am Fuße der mittelalterlichen Stadtbefestigung errichtet. In seiner Gestaltung kopiert er ein Stendaler Stadttor. Seit 1985 wird der Turm für die Wasserversorgung der Stadt nicht mehr gebraucht.

Erst nachdem der Trägerverein Wasserturm Lüneburg e.V. den Turm 1998 kaufte, konnte der allmähliche Verfall gestoppt und die Sanierung begonnen werden.

Die Ausstellung wird am Sonntag, 12.09.2004
um 13.00 eröffnet.

Öffnungszeiten: täglich 10.00 - 18.00 Uhr

(ab 01.11. montags geschlossen,
Di. - So. 10.00 - 17.00 Uhr)

Die Ausstellung wird bis zum 21.11.2004 gezeigt.
delphin



Ratswasserkunst und Ratsmühle

Anfang des 16. Jahrhunderts begann man, die Wasserkraft der Ilmenau für die Versorgung mit Trink- und Brauchwasser zu nutzen. Zunächst wurde die Abtswasserkunst in der Nähe des Hafens erbaut.

waterloo Eine zweite Wasserkunst, die Ratswasserkunst, wurde 1568-72 im Südosten der Stadt, ebenfalls an der Ilmenau, erbaut. Das Wasser wurde mit Hilfe von Wasserrädern in den Turmbehälter gepumpt.

1875 wurde der Turm erhöht, um Wasser in die neuen Stadtteile und die höheren Stockwerke zu heben. 1971 bekam der Turm sein altes Fachwerkobergeschoss wieder. Heute befindet sich in der Ratswasserkunst eine Ferienwohnung.
Die Ratsmühle befand sich ursprünglich in herzoglichem Besitz. 1332 verkauften die Herzöge die Mühle an die Stadt. Im 19. Jahrhundert verkaufte der Rat die Mühle an einen privaten Unternehmer. Neben der Kornmühle existierten eine Walk- und Papiermühle, eine Ölmühle, eine Stampf- und Lohmühle, eine Beutlermühle und eine Schleif- und Poliermühle.




Abtswasserkunst, Abtsmühle und Lüner Mühle

In den Jahren 1521-31 wurde die Abtswasserkunst, die zunächst Brauerkunst genannt wurde, in der Nähe des Hafens erbaut. Ein Konsortium von 24 Bürgern traf mit dem Michaeliskloster eine Vereinbarung, nach der es bei der Abtsmühle einen Turm mit einem Wasserrad erbauen durfte, durch das Wasser in ein Röhrensystem gespeist werden sollte. Im Gegenzug versicherte die Wassergesellschaft, das Michaeliskloster und das Abtshaus ausreichend mit Wasser zu versorgen. Der Turm der Abtswasserkunst zeigt noch heute das Wappen der Brauer. Seit 1904 besteht der Durchgang von der Abtspferdetränke zur "Brausebrücke".

Die Abtsmühle gelangte 1148 durch eine Schenkung Heinrichs des Löwen in den Besitz des Michaelisklosters. Das Kloster gab 1366 die Mühle als Lehen an die Familie van der Molen. Im Jahre 1880 wurde das heutige Mühlengebäude errichtet. Der Betrieb wurde 1992 eingestellt.

Das ehemalige Benediktinerinnenkloster Lüne erbaute 1576 das große Mühlengebäude in Fachwerk. Bereits 1391 besaß das Kloster an dieser Stelle eine Mühle.
Heute befinden sich in der Abtswasserkunst, der Abtsmühle und der Lüner Mühle Hotelzimmer. Abtswasserkunst, Abtsmühle und Lüner Mühle liegen am Hafen, in dem über Jahrhunderte das Lüneburger Salz auf Schiffe verladen und in den Ostseeraum verschifft wurde.

Der Kran, 1797 als Nachfolger eines mittelalterlichen Krans erbaut, zeugt ebenso wie das Kaufhaus vom einstigen regen Treiben im Hafen.




Wasserleitungen und Brunnen

Mit der Einführung von Wasserleitungen im späten 14. Jahrhundert war eine Versorgung der städtischen Haushalte mit fließendem Wasser gewährleistet. Zunächst wurden nur die bedeutendsten Straßen durch Röhren, durchbohrte Holzstämme, versorgt. Da dieses "Schierbrunnen" genannte System vermutlich von Sodmeistern angelegt wurde, werden vorwiegend die von Patriziern bewohnten Parzellen angeschlossen gewesen sein. Am 12. Februar 1386 gestatteten die Herzöge von Braunschweig und Lüneburg dem Rat und den Bürgern der Stadt, Quellwasser zu nutzen, das auf Höhen östlich der Stadt zu Tage trat. 1397 wurde das System fertig gestellt. Das Wasser kam in einem offenen Graben bis vor die Stadt und speiste von einem Teich aus ein Rohrnetz in der Stadt. Mit Wasser versorgt wurde das Stadtgebiet zwischen Ilmenau und der Neuen Sülze bzw. dem Markt und dem Sand.

Von den Höhen westlich der Stadt wurde ebenfalls in einem offenen Graben Quellwasser vor die Stadt geleitet. Das anschließende Rohrnetz versorgte überwiegend die Saline und angrenzte Wohnbereiche. Dieses ebenfalls im späten 14. Jahrhundert angelegte Versorgungsnetz wurde "Kranker Heinrich" genannt. Schierbrunnen und Kranker Heinrich sorgten für eine fast flächendeckende Wasserzufuhr.

Als nach 1385 das Kloster Heiligenthal in die Mauern der Stadt Lüneburg verlegt wurde, entstand eine weitere Wasserleitung, die das Kloster und einige Grundstücke bei der St. Johanniskirche versorgte. Dieses Wasser kam aus der Ilmenau, die in der Nähe des Klosters floss. Nicht weit von der Ratsmühle stand ein Holzrohr im Fluss, ein Leitungssystem führte das Wasser in die Keller von etwa 12 Grundstücken. In großen Becken gesammelt wurde es anschließend herausgepumpt.

Da der Schierbrunnen mehr Wasser lieferte als durch die Röhren zu den Haushalten geleitet werden konnte, gestattete 1495 der Rat der Stadt Lüneburg 21 Bürgern, "dat Spildewater, so von des genandten Rades Schierborn" zu nutzen. Die überflüssige Menge (spildewater) floss in einen Teich, der dem Rat gehörte. Die Bürgergesellschaft und der in der Folge beigetretene Propst von St. Johannis konnten auf eigene Kosten ein Leitungssystem installieren. Die Gesellschaft finanzierte gemeinsam die Leitung bis vor die Haustür eines jeden Teilhabers, für etwaige Zweigleitungen in Haus und Hof hatte der Einzelne aufzukommen. Das Wassernetz beschränkte sich auf den südlichen Teil der Stadt, versorgte aber auch 10 öffentliche Brunnen.




Kirchen

Die Taufe ist das allen christlichen Kirchen gemeinsame Sakrament. Mit dem Eintauchen oder dem Besprengen mit Wasser wird der Täufling in die christliche Heilsgemeinschaft eingegliedert. Taufbecken zeugen von diesem Ritus. In der Nikolaikirche steht im Chorraum das um 1325 vom Lüneburger Glockengießer Meister Ulricus geschaffene Taufbecken, das ursprünglich der Cyriacuskirche am Fuße des Kalkbergs gehörte. Im Chor des Nordschiffes der Johanniskirche befindet sich das 1541 gegossene Taufbecken aus der Lambertikirche. Die Nikolaikirche hatte eine besondere Verbindung zu den Flussschiffern der Ilmenau. Im Nordseitenschiff stehen Reste des alten Kirchengestühls mit in die Bankwangen eingeschnitzten Zeichen der Schiffergilden. Daneben hängt das Holzmodell eines Ilmenau-Ewers.







 
[zurück]  [nach oben]  [Archiv]  [Startseite]