Der Krapfen auf dem Sims
Max Goldt in der Vamos Kulturhalle

Max Goldt
Max Goldt
Neulich saß ich in der Eisenbahn...
Ein bezeichnender Satz für Max Goldt.
Goldts "Geschichten" handeln von alltäglichen Beobachtungen, die ihren Ursprung nicht selten in der Bahn haben.

Alltägliche Situationen, Dialoge, Gefühle und Gedanken bilden die Grundlage von Goldts Texten, die auch diesmal wieder das Publikum zu immer lauteren Lachern animierte. Vor 580 Besuchern stellte er sein neues Buch "Der Krapfen auf dem Sims" in der Vamos Kulturhalle vor.

 
Goldt durchstreifte eine ganze Palette von menschlichen Schwächen. Er begann, die Zuhörer, anhand "seines langjährigen Nachbarn, den Zyniker" über den Unterschied zwischen Zynismus und Sarkasmus aufzuklären.

Zynismus ist eine destruktive Lebensauffassung. Der Zyniker glaubt nicht, daß es etwas zu verbessern gibt. Es ist sowieso alles egal. Sarkasmus hingegen birgt Lebensfreude in sich, die empfunden wird und die es auch auszusenden gilt. Filme z.B. werden als "herrlich zynisch", bewertet. Dieses ist das "beklatschte Böse".

Gäste der Lesung in der Vamos Kulturhalle
Gäste der Lesung in der Vamos Kulturhalle
Max Goldt findet ohne weiteres eine Überleitung zum Massenzynismus, zu sogenannten "Hassschriftstellern", der Bildzeitung und schließlich zu Ernst-August, wobei er feststellt, daß man gesund sein sollte , wenn man schimpft. Goldt erzählt Geschichten, in der sich wiederum viele andere kleine Geschichten verbergen, die alle mehr oder weniger oder gar nichts miteinander zu tun haben.

Max Goldt bot dem begeisterten Publikum eine breite Palette des Erzählens. Z.B. in einem "grotesken Amulett", "den zischelnden deutschsprachigen Belgierinnen" erzählte er aus der Sicht des Regisseurs in Dialogform mit Regieanweisungen.

Es handelt von vier 17jährigen Studentinnen, die einen neuen Lehrer mit einem unheimlich süßen Hintern bekommen. Sie versuchen alles um diesen (Hintern) auch ausreichend bewundern zu können, denn der Lehrer Stuart trägt leider ein Sakko...
Mit insgesamt neun Texten brachte Goldt das Lüneburger Publikum zum Lachen und manchmal auch zum Nachdenken. Gedankt wurde es ihm mit einem gehörigen Applaus.

Das Lüneburger Publikum freute sich besonders auf Goldt's Besuch, denn er kam in die Salzstadt obwohl er schon immer Angst vor der Stadt Lüneburg hatte, da er in seiner Kindheit gehört hat, daß diese Stadt im "Boden versinkt".

Max Goldt beim Signieren
Max Goldt beim Signieren
Max Goldt ist Jahrgang 1958, wurde in Göttingen geboren und lebt heute in Berlin.
Zusammen mit Gerd Pasemann bildete er das Musikduo "Foyer des Arts", dabei übernahm Max Goldt den sprechenden Part und deklamierte eigene Texte.
Max Goldt schreibt für das unjournalistische Hochglanzmagazin "Titanic" markante Kolumnen.
Den Durchbruch erlangte Goldt mit "Die Radiotrinkerin" (1991). Es folgten 9 weitere Bücher.
Sein neuestes Werk "Der Krapfen auf dem Sims", konnte an diesem Abend nicht nur erworben werden. Nach der Lesung ließen sich viele der glücklichen Besitzer eine Signatur direkt ins Buch schreiben.
06.02.2001
 
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