Filz im Ostpreußischen Landesmuseum
Oberbürgermeister eröffnet Museumsmarkt

 
Museumsdirektor Dr. Ronny Kabus und Oberbürgermeister Ulrich Mägde
Museumsdirektor Dr. Ronny Kabus und Oberbürgermeister Ulrich Mägde

Gemeint ist mit dieser hintersinnig ironischen Feststellung selbstverständlich der schon seit Urzeiten verwendete Werkstoff Filz, aus dem auch heute noch hochwertige und lustige Kleidungsstücke wie Hüte und Pantoffeln hergestellt werden.

Auch in den vergangenen Jahren gab es hier schon Filz", so der Direktor des Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg, Dr. Ronny Kabus. "Aber soviel Filz wie in diesem Jahr, hatten wir hier noch nie!"

Mit dieser Aussage übergibt er das Wort an den Oberbürgermeister Lüneburgs, Ulrich Mädge, damit dieser den immerhin schon zwölften Museumsmarkt, der nur heute und morgen in den Räumen des Museums stattfindet, eröffnet.

Hüte aus Filz
Hüte aus Filz

 
Mundgeblasene Gläser
Mundgeblasene Gläser
Wie das geht und was daraus wird, kann man dort erfahren. Aber auch andere Handwerkskünste und ihre Produkte sind während des Museumsmarktes zu bestaunen, beispielsweise kann man live erleben wie - fast aus dem Nichts - kunstvolle Gläser entstehen, traditionell mundgeblasen.

Tradition und moderne Handwerksarbeit miteinander zu verbinden und vorzustellen, das ist eben auch der Zweck des Museumsmarktes. Und so stellen sich insgesamt nicht weniger als 23 Handwerker, Gewerke und Künstler vor.

 
Darunter Olaf Gramkow mit beeindruckender Metallgestaltung, Ingeborg Brühs filigrane Klöppelarbeiten, heimisches und innovatives Flechtwerk von Imke Günzel, wie ihre witzigen und bequemen Stühle ganz aus Weide, oder etwa zeitgenössischer Bernsteinschmuck aus der Meisterhand von Czeslaw Fabrycki. Alle aufzuzählen wäre hier zuviel.

Ingeborg Brühs Klöppelarbeiten
Ingeborg Brühs Klöppelarbeiten

Flechtwerk von Imke Günzel
Flechtwerk von Imke Günzel
Da hilft alles nichts, da muß man schon selber hingucken.
Und damit es den lieben Kinderchen da nicht zu langweilig wird, gibt es für sie einige ganz spezielle Programme, wie Kerzendrehen oder "Selberrumfilzen".

Auch aufs Mittagessen oder Kaffeetrinken kann man zuhause ruhig verzichten, dafür sorgen an diesem Wochenende mütterlich bewährt die Lüneburger Landfrauen. Mittags gibt's hausgemachte Kartoffelsuppe mit Würstchen "und nachmittags dann Torten, wie es die heute eigentlich gar nicht mehr gibt". So schwärmt Silke Straatman vom Ostpreußischen, die als Organisatorin natürlich ganz genau weiß, was uns erwartet - und sich freut.

 
Sie weiß auch zu erzählen, welche Handarbeiten tatsächlich noch heute in Ostpreußen hergestellt werden. Maschinell gefertigtes hat dagegen qualitativ natürlich keine Chance.

Diese Waren kann man - wie alle anderen auch - selbstverständlich kaufen. In diesem Fall verdienen sich Frauen, teils deutsch, teils polnischer oder russischer Herkunft, im Gebiet des früheren Ostpreußens mit traditioneller Arbeit ihren Lebensunterhalt.

Handgemachte Puppenkleider
Handgemachte Puppenkleider
 
Arbeit am Webstuhl
Arbeit am Webstuhl
Aber auch an den anderen Ständen trägt man mit dem Kauf der Produkte dazu bei, daß die alten Gewerke nicht aussterben, vielleicht sogar bis in die Generation unserer Kinder überleben.
Und was haben wir noch davon?
Außer einem schönen Tag?
Einfach hochwertige und originelle Waren, robust und gut, teilweise umwerfend schön oder so richtig lecker.
Gewinnen kann man übrigens auch was! An der Tombola sollte man sich dann aber vorher schon beteiligen. Da tut man dann auch schon wieder was gutes. Da nämlich alle Preise gestiftet wurden, von der Lüneburger Wirtschaft und den beteiligten Ausstellern, fließt der Gewinn komplett in die Museumsarbeit.
Aus dem Erlös von 1999 konnte Ronny Kabus stolz zwei wirkliche Kostbarkeiten vorstellen: Neben einer klassizistisch filigranen Soßenkelle einen "Steigbügel vom, ansonsten sauber aufgeräumten Feld der Tannenberger Schlacht von 1410, einer der bedeutendsten Schlachten der Menschheitsgeschichte". Eben.

Eins soll noch erwähnt sein. Daß Oberbürgermeister Mädge mit der Eröffnung gleichzeitig die Weihnachtszeit in Lüneburg eingeläutet hat.

Soßenkelle und Steigbügel
Soßenkelle und Steigbügel
 
Erster Weihnachtsbaum 2000 in Lüneburg
Erster Weihnachtsbaum 2000 in Lüneburg
Denn hier im Landesmuseum hat er den ersten Weihnachtsbaum Lüneburgs ausgemacht, wenn der gerade erst aus Japan zurückgekehrte auch zu berichten hatte, daß die Kinder Nippons da mal wieder weiter sind als wir.

Den Museumsmarkt gibt es aber nur hier!

Und nur an diesem Wochenende,
bis Sonntag um 17.00 Uhr.

Wer's noch nicht weiß, das Ostpreußische befindet sich in der Ritterstraße Nr. 10 und wer nicht hingeht verpaßt was.
03. November 2000

Axel Schlemann
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