"Demokratie ist nicht selbstverständlich"

"Wahl-Talk-Show" für JungwählerInnen
zur Kommunalwahl 2001 im Glockenhaus in Lüneburg
Sieben Erstkandidaten von CDU, SPD, Bündnis 90 Die Grünen, F.D.P. und ein politisch aktiver Schüler stellten sich auf Einladung des Stadtjugendringes und des Kreisjugendringes Lüneburg der Diskussion im Lüneburger Glockenhaus. Moderator Pastor Jürgen Pommerien vermittelte zwischen den (partei)-politischen Gegnern, die sich fair auseinandersetzten. Für kleine Showeinlagen sorgte die Gruppe "Full Efekt" mit ihren Break-Dancern.
Wahl-Talk-Show für JungwählerInnen An die zahlreichen ZuschauerInnen gewandt, erläuterte Pommerien die Zielsetzung der öffentlichen Podiumsdiskussion mit "Erstkandidaten".
"Hier sind Menschen, die bereit sind, sich einzusetzen und ihre Zeit mit Kommunalpolitik für "andere" zu opfern. Dieser ehrenamtliche Einsatz verdient unsern Respekt.

Diese Kandidaten, die zum 1. Mal kandidieren, können sich hier vorzustellen und öffentlich Themen behandeln, für die sie sich persönlich einsetzen wollen."

In der Vorstellungsrunde wurde deutlich, dass es für alle die eigene Entscheidung war, geprägt durch persönliche Interessen und Erfahrungen, Elternhaus, Freunde, etc,.. sich aktiv an politischen Entscheidungen zu beteiligen.
Heimo Tesmer, 24 Jahre, CDU:
"Ich bin in Südafrika aufgewachsen und habe es selbst erlebt , dass Menschen gestorben sind, weil sie sich für ihre Freiheit einsetzten. Demokratie ist noch längst nicht selbstverständlich! Durch meine persönlichen Erfahrungen sehe ich es als meine Bürgerpflicht an, sich für das Gemeinwohl zu engagieren!"

Andreas Koenig, 19 Jahre, CDU/Junge Union:
Der zweitjüngste Kandidat bekennt sich sehr eindringlich zu der Partei seiner Wahl. "Die Wahl ist abhängig vom individuellen Menschenbild und der Geschichte einer Partei.

Wahl-Talk-Show für JungwählerInnen
In allen wichtigen Entscheidungen, die in der Bundesrepublik getroffen wurden, stand die CDU an erster Stelle. Auch gegen den Trend, muss man gerade in schwierigen Zeiten zu seiner Partei stehen und sich selbst dafür einsetzen, dass es besser wird!"

Frank Ley, 30 Jahre, SPD:
Der überzeugte SPD-ler beklagte dagegen, dass 16 Jahre Kohl zu einem Stillstand in der Entwicklung der BRD geführt haben. Für in ist die SPD die Partei mit dem progressivsten Programm und dem Grundsatz der Nachhaltigkeit. Im Rat möchte er jedoch nicht nur für den Jugend-und Sozialbereich "abgestellt" werden, sondern zum Beispiel auch im "wichtigen" Wirtschaftsausschuß mitmischen.

Nils Kolbe, 15 Jahre, Juso:
Der jüngste Mitstreiter (Noch)-"Nichtkandidat" ist Schüler der Wilhelm-Raabe-Schule und hat bereits eigene politische Erfahrungen gemacht. Als aktives Mitglied des ersten "Jugendparlaments in Gellersen" wollte er auch seine Arbeit leisten.
Bei der nächsten Kommunalwahl wird er in jedem Fall dabei sein und darauf hin wirken, auch in Lüneburg ein Jugendparlament einzurichten."

Frank Soldan, 38 Jahre für die F.D.P.:
Für den einzigen Parteilosen ist die Freiheit das höchste Gut, dass er verteidigen möchte. "Ich habe mich bewußt für die F.D.P. entschieden, weil ich in dieser Partei die Freiheit, die ich meine, am ehesten verwirklichen kann. Unabhängig "vom Parteienzwang" möchte ich selbst entscheiden können, als einzelne Person meine Meinung vertreten. Auch ohne Kandidatur kann jeder wählen gehen; denn, wer nicht wählt, kann auch nicht mitreden."

Henrick Schomacker, 23 Jahre, F.D.P.:
Der junge Liberale hat klare Beweggründe für seine Mitgliedschaft." Seit 1995 habe ich regelmäßig an Demos gegen die Bildungspolitik teilgenommen. Ich sehe mich persönlich als "Schröder"-geschädigt und möchte vor allem im Lüneburger Kreistag etwas bewegen.
Für mich steht die F.D.P. für weniger Staat und mehr Verantwortung des Einzelnen." Sehr provokant ist sein Zitat hinsichtlich verfehlter Sozialpolitik: "Wir müssen den Schwachen vor dem Faulen schützen." Bei den maroden Finanzen gibt es für die Liberalen derzeit nur eine Alternative. "Wer Forderungen stellt, muss auch sagen, womit sie finanziert werden."

Wahl-Talk-Show für JungwählerInnen Julia Verlinden, 22 Jahre, Bündnis 90 Die Grünen:
Als einzige Frau auf dem Podium nimmt sie dieses zum Anlaß, darauf hinzuweisen, dass es immer noch zu wenig Frauen in der Politik gibt. Sie selbst wurde über die Umweltbewegung politisiert, Eltern, "Grüne Jugend", etc. Seit ihrem Studium ist sie auch an der Uni Lüneburg politisch aktiv. "An der Uni leiste ich bereits intensive Lobbyarbeit für die Leute, die auf mich zukommen." Wichtig ist für Julia mehr Bürgerinformation und aktive Bürgerbeteiligung. Sie möchte vor allem jungen Menschen Mut machen, etwas in der Politik zu bewegen, "weil ich mir wünsche, dass mir irgendwann einmal jemand meinen Platz streitig macht."
Philipp Mohr, 18 Jahre, Bündnis 90 Die Grünen:
Der Schüler der Wilhelm-Raabe-Schule ist mit 18 Jahren der jüngste Kandidat auf dem Podium. Er selbst kommt aus einem politischen Elternhaus und möchte sehr viele Entscheidungen für die Menschen vor Ort treffen. Besonders für die Belange der Jugendlichen möchte er sich stark machen und nicht alles den "Älteren" überlassen."
Ich möchte auch nach meinem Abitur in Lüneburg aktiv bleiben und mitmischen. Durch meine eigenen Erfahrungen im Bereich Schule und mein Alter bin ich auch am nächsten an meiner "Basis". Wie Julia setzt er sich für die Verbesserung des ÖPNV und gezielte Bürgerbeteiligung ein. Auf die Frage, was er bei seiner Partei nicht mit trägt, kommt als klare Antwort "Den Einsatz in Mazedonien!"
 
Die zahlreichen, meist jugendlichen Gäste honorierten den Einsatz der Kandidaten mit Beifall, konstruktiver Kritik und einem guten Ergebnis bei den Testwahlen.

Da aber auch die Lüneburger "Politprominenz" ihre "Erstkandidaten" durch (verstärkte)Anwesenheit unterstützte, ist das Endergebnis der Testwahlen nicht so ganz ernst zu nehmen (Die F.D.F. konnte sogar ohne Verstärkung zulegen!).

Wahl-Talk-Show für JungwählerInnen
Wirklich bemerkenswert war jedoch der persönliche Einsatz aller anwesenden "LaienpolitikerInnen" , der faire Umgang miteinander und die erfrischend "echten Ideale", die man noch fern von aalglattem "Profigehabe" in den Raum warf.

Wir wünschen den mutigen Erstkandidaten am 9. September viel Glück bei der Kommunalwahl 2001; - und gehen auch Sie bitte zur Wahl!!!

 
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