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Lüneburg. Die Stadt Lüneburg plant, als Pilotprojekt eine Abendgruppe in einem ihrer zwölf Kindergärten anzubieten. Dort könnten Kinder
bis 19 oder 20 Uhr betreut werden. ,,Das Angebot richtet sich vor allem an Eltern und Alleinerziehende, die ganztags berufstätig sind“, sagt
Horst-Günter Kirch, zuständig für die Kitas bei der Stadt.
In den städtischen Kindergärten werden die Kleinen in der Regel bis 16.30 Uhr betreut, spätestens um 17.30 Uhr müssen die Eltern ihre
Kinder abholen. Wer allerdings den ganzen Tag arbeitet, womöglich noch Pendler ist, der schafft das kaum. Verwandte, Babysitter oder
Tagesmütter müssen einspringen, die Kinder von der Kita abholen und weiter betreuen, bis die Eltern nach Hause kommen. Eine
Abendgruppe könnte da eine erhebliche Entlastung und weniger Stress bedeuten.
Für den geplanten Modellversuch wird jetzt in einem städtischen Kindergarten der Bedarf ermittelt. Sollte die Nachfrage groß genug sein,
will Oberbürgermeister Ulrich Mädge das Pilotprojekt dem Rat vorschlagen. ,,Gerade Alleinerziehende haben es besonders schwer, Beruf
und Kindererziehungen bei einem Ganztagsjob unter einen Hut zu bringen.“ Doch Mädge denkt auch an die vielen Eltern, die pendeln, in
Lüneburg wohnen und in Hamburg arbeiten. ,,Gegen Feierabend beginnt bei den Betroffenen der Stress. Kommt der Zug pünktlich, gibt es
keinen Stau auf der Autobahn? Jede Verzögerung bedeutet doch letztendlich, dass das Kind womöglich in der Kita warten muss.“ Und der
Oberbürgermeister könnte sich vorstellen, dass es Eltern auch schätzen, wenn ihre Kinder in einer Abendgruppe betreut werden und sie
eine oder zwei Stunden frei zur Verfügung haben. Die Abendgruppe wäre in jedem Fall mit zusätzlichen Gebühren verbunden, Kosten
allerdings verursachen auch Tagesmütter und Babysitter.
Lüneburg bietet zur Zeit 2265 Kindergartenplätze in 34 Kitas an. 22 Kindergärten mit 1089 Plätzen werden von Kirchen,
Wohlfahrtsverbänden und Vereinen betrieben, zwölf Kitas mit zusammen 1176 Plätzen von der Stadt Lüneburg. Für Sachkosten und
Personal muss die Stadt jährlich rund sechs Millionen Euro einplanen. Zudem hat die Stadt Lüneburg allein im vergangenen Jahr rund 1,5
Millionen Euro in den Neubau, die Erweiterung und die Sanierung von Kindergärten investiert und die Kitas anderer Träger mit rund 2,5
Millionen Euro bezuschusst.
Doch der Einsatz zahlt sich auch aus. Horst-Günter Kirch, bei der Stadt verantwortlich für Kitas: ,,Wir rangieren beim Angebot an
Kindergartenplätzen in Niedersachsen auf einem Spitzenplatz im oberen Drittel. Darum beneiden uns andere Städte. Statistisch deckt
Lüneburg heute bei den 3- bis 6-Jährigen den Platzbedarf zu 93 Prozent.“
(sp, Stadt Lüneburg)
29.01.03
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