"Unsere Welt ist keine Ware!"
Globalisierungskritiker schicken "Weihnachts"-Pakete an EU-Handelskommissar
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| Lüneburg / Brüssel. Hunderte Postpakete aus ganz Europa, darunter auch eines
aus Lüneburg, trafen am Mittwoch (11. Dezember 2002) bei einer Privatadresse
in Brüssel ein. Empfänger der ungewöhnlichen Massensendung ist Pascal Lamy,
der europäische Handelskommissar. Globalisierungskritiker wollen die
Bevölkerung so auf den drohenden Ausverkauf staatlicher Grundleistungen
aufmerksam machen. |
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Während in Berlin lautstark über Steuererhöhungen und Wahlbetrug gestritten
wird, laufen auf Weltebene die Verhandlungen ganz im Stillen, allerdings mit
viel weitreicherenden Konsequenzen. Die Welthandelsorganisation (WTO), die
den Handel zwischen ihren 144 Mitgliedsländern regelt, will bis 2005 den
Handel mit staatlichen Dienstleistungen liberalisieren.
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Globalisierungskritiker wollen die
Bevölkerung auf den drohenden Ausverkauf staatlicher Grundleistungen
aufmerksam machen
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| Dazu zählen z.B.
Bildungs- und Gesundheitssysteme, Energie- und Wasserversorgung, Post- und
Telekommunikation, Banken und Versicherungen, Eisenbahn und Luftverkehr,
sowie Tourismus und Kultur. Dies alles soll mit dem internationalen
Dienstleistungsabkommen "GATS" (General Agreement on Trade in Services)
umgesetzt werden, dessen Verhandlungen z. Z. unter Ausschluss der Medien und
der Öffentlichkeit stattfinden. |
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 Pascal Lamy |
"GATS stoppen!" ist denn auch das Motto globalisierungskritischer
Organisationen, wie dem Netzwerk Attac. "Als Hauptverhandlungspartner der EU
vergibt Pascal Lamy gigantische Geschenke im Namen der Bürgerinnen und
Bürger. Diese Geschenke wollen wir ihm mit der Aktion symbolisch erstatten",
so Rasmus Grobe von der Lüneburger Attac-Gruppe. In der Tat: Die Weltbank
schätzt den weltweiten Markt für Wasserversorgung auf jährlich 800
Milliarden Dollar, den für Bildung auf 2000 Milliarden Dollar und jenen für
Gesundheitsdienstleistungen auf 3500 Milliarden Dollar.
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"Die Privatisierung dieser Güter hat in vielen Ländern bereits zu
Preissteigerungen, Qualitätseinbußen, Entlassungen und sinkenden sozialen
Standards geführt", so Grobe weiter. "Der freie und gleichberechtigte Zugang
zu lebensnotwendigen Grundversorgungen ist massiv gefährdet." Das
Zwei-Klassen-System entsteht also nicht nur in der Medizin.
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Heißt es also demnächst: Trinkwasser von Nestlé, Sparkassen ohne staatlichen
Sonderstatus und Studium gesponsert von Malboro? "Ein 'Coca-Cola-Tag', wie
an amerikanischen Schulen, ist absolut denkbar!" meint der
Diplom-Politologe.
Fakt ist: Die Verträge sind völkerrechtlich bindend und stehen somit über
nationalem Recht. Grobe: "Wir vermuten, dass unsere Parlamentarier so gut
wie gar nicht informiert sind und sich somit der Tragweite dieser
Verhandlungen nicht bewusst sind."
Weitere Informationen unter
www.gats-kritik.de
(Pressemitteilung attac Lüneburg)
11.12.02
ATTAC Lüneburg, Heinrich-Böll-Haus, Katzenstraße 2,
21335 Lüneburg,
www.attac-netzwerk.de/lueneburg
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 www.gats-kritik.de |
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