Staatsanwaltschaft beschlagnahmt Erdproben mit angereichertem Uran der Elbmarsch

 
Die Staatsanwaltschaft Lübeck beschlagnahmte am 18. 07.2001 sämtliche Proben aus Elbegeest und -marsch der unabhängigen Gutachter der Arbeitsgemeinschaft für physikalische Messtechnik und Analytik (ARGE Pham), in denen radioaktive Teilchen nachgewiesen wurden.

Die ARGE Pham hatte in den letzten Monaten im Auftrag der Bürgerinitiative gegen Leukämie in der Elbmarsch und der IPPNW Erdproben in Elbmarsch und Elbgeest genommen und in verschiedenen Instituten untersuchen lassen.
Foto: GKSS, Geesthacht  (Campus)
Foto: GKSS, Geesthacht (Campus)
In diesen Proben wurde angereichertes Uran gefunden, ebenso radioaktive sogenannte PAC - Teilchen = Plutonium, Americium und Curium. Es wurde der Verdacht geäußert, dass diese "künstlich/en" (erzeugten) Teilchen aus einer der Atomanlagen in der Geest entwichen sein müssen.

Das überraschende Vorgehen der Staatsanwaltschaft wird damit begründet, Mittel der Beweissicherung bezüglich der Kontamination (Verseuchung mit radioaktiven Stoffen) in der Umgebung der Geesthachter Atomanlagen sicherzustellen.

Der zuständige Staatsanwalt Christian Braunwarth plant nach Informationen der IPPNW, die Proben beim Europäischen Institut für Transuran in Karlsruhe untersuchen zu lassen. Die IPPNW und ARGE Pham fordern dagegen eine Untersuchung in einem Universitätslabor als einer unabhängigen wissenschaftlichen Einrichtung.


Leukämieerkrankungen in der Elbmarsch fordern Aufklärung


Verschiedene Untersuchungen über die Jahre belegten im Nahbereich des Atomkraftwerkes Krümmel erhöhte Umweltradioaktivität. Im Februar 2001 legten die fünf Sachverständigen, die Jahrzehntelang Aufträge der Atomindustrie erfüllt hatten, ein Gutachten (ELB2) zur radioaktiven Belastung der zwei Geesthachter Atomanlagen (AKW Krümmel und Kernforschungsanlage GKSS) vor.

Demnach fanden sich als dominierende Aktivitätsträger Tritium. Americium, Plutonium, Uran und Thorium, die aus der Herstellung von sogenannten PAC-Kernbrennstoff stammen könnten. Aus dem Siedewasserreaktor Krümmel können sie aufgrund ihrer typischen Bearbeitungsstruktur nicht stammen, außerdem haben sie weder Ähnlichkeit mit der vorgefundenen Radioaktivität von Tschernobyl oder einer beim Wallen-Fallout festgestellten Strahlung.

Fünf Jahre nach Betriebsbeginn (1983) des weltweit größten Siedewasserreaktors Krümmel an der Elbe bei Geesthacht, setzte eine Leukämieserie bei Kindern im Nahbereich der Atomanlage ein. Insgesamt sind im Radius von 5 Kilometern zehn Kinder und ein Jugendlicher an Leukämie und leukämieähnlichen Krankheitsbildern erkrankt.

Bezogen auf die niedersächsische Samtgemeinde Elbmarsch bedeutet das eine 700%ige Erhöhung der Fallzahl. Zwei Kinder und der Jugendliche sind verstorben und zwischenzeitlich treten vermehrt Hirntumore bei Kindern auf (eine Verdoppelung der Fallzahl)!

Durch das Auftreten einer "künstlichen Radioaktivität" ist jetzt auch die sich in unmittelbarer Nachbarschaft (ca. 3 km) befindliche in den 50er Jahren gegründete Kernforschungsanlage GKSS ins "Gespräch" gekommen. Die zahlreichen "geschädigten" Personen und ihre Angehörigen haben ein Recht auf ungehinderte und schnellstmögliche Aufklärung möglicher Ursachen auch durch die Betreiber und Verantwortlichen in den Aufsichtsbehörden!...



"Künstliche" Radioaktivität in der Elbmarsch durch Atomunfall im Atomforschungszentrum Geesthacht (GKSS)?

Geesthacht. Aktuelle Messungen des Atomforschungszentrums Geesthacht (GKSS) belegen das Vorkommen angereicherten Urans in der Elbmarsch, das weder in der Natur vorkommt, noch aus Tschernobyl oder Bombenfallout stammen kann!

Die Messdaten von Juni 2001 liegen jetzt der ARGE Pham (Arbeitsgemeinschaft Physikalische Analytik und Messtechnik) und der IPPNW (Deutsche Sektion der internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.) vor. Die GKSS hat Dachbodenstaub eines Reetdachhauses aus dem Nahbereich der Geesthachter Atomanlagen untersucht und angereichertes Uran mit dem Gewichtsverhältnis des Uran 235 zu Uran 238 von 1,32 % festgestellt.

Die Erzeugung der Radioaktivität ist mit hoher Wahrscheinlichkeit in Folge der Bestrahlung von Thorium und Uran mit schnellen Neutronen entstanden. Daraus ergibt sich ein Modell, welches die Radioaktivitätswolke aus der Geest am 12.09. 1986 erklären könnte! Damals trat innerhalb und außerhalb des Atomkraftwerkes eine radioaktive Kontamination auf und es wurden Kontrolleure mit Strahlenschutzanzügen beobachtet. Dieser Vorfall ist bis heute durch die Atomaufsicht noch nicht endgültig geklärt worden. -fr-
26.07.2001
 
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