"Das hatten wir doch schon einmal"
SPD-Bürgermeisterkandidat Rudi Weinmann (Amt Neuhaus) eröffnet Betriebskindergarten "ohne Betriebserlaubnis" in Sumte.

 
Amt Neuhaus. "Das ist ja wie zu Zeiten der SED", staunt ein Neuhauser Fahrradfahrer vor den riesengroßen, überdimensionalen "Wahlwänden" des SPD- Bürgermeisterkandidaten und seiner Genossen für das Amt Neuhaus.

Am Ortseingang von Neuhaus trifft man auf eine Gruppe älterer Leute. Auf die ungewöhnlich monströse Wahlwerbung angesprochen, kommen spontane Antwoten wie, "Das hatten wir doch schon einmal..., und das Motto der ehemaligen Funktionäre, "schneller, höher, weiter!" bedeutet in "Zeiten der Demokratie":
" Schnell war`n die schon immer, die Genossen, jetzt kommen sie wieder hoch und - wie soll das noch weitergehen...", beklagt ein Mann aus Tripkau, der seinen Namen nicht genannt haben möchte. "Das müssen Sie verstehen, die Angst, die ich schon als Kind erlebt habe, vergißt man nie."

Außerdem will Herr Weinmann sein zweites Bürgermeisterbüro in Tripkau eröffnen, man weiß ja nie....!" Rudi Weinmann, der bereits an den Zufahrtsstraßen über seinem Amt Neuhaus "thront", ist ein Mann des schnellen Handelns.

Neben seinem Betrieb, dem AIS-Rechenzentrum für Rechtsanwälte, setzte der "Vorzeigeunternehmer" flugs einen "evangelischen" Betriebskindergarten, für seine AIS-Mitarbeiterinnen, seine Enkelkinder und alle anderen Kinder der Region.

Der im Juli 2001 in Betrieb genommene Kindergarten, nach einer Figur des alten Testaments "Nehemia" benannt ( Nehemia baute die Mauern um Jerusalem wieder auf, war gegen Mischehen und für die "Absonderung" der Fremden im Staate, etc... Das (Geschichts)-Buch Nehemia, alt.Testament, Kap.13), wurde am letzten Wochenende feierlich eröffnet.

Die moderne Einrichtung trägt den Zusatz "evangelisch", obwohl sie der evangelischen Landeskirche noch nicht einmal bekannt ist und es fehlt bisher auch noch die nach § 45 KJHG benötigte Betriebserlaubnis.

Nach Gesprächen mit der zuständigen Genehmigungsbehörde, der Bezirksregierung Lüneburg handelt es sich bei dem Vorgehen des Betreibers um eine Ordnungswidrigkeit und (10) Kinder, Eltern und Betreuungspersonal sind über die Landesunfallkassen folglich nicht abgesichert! Die "Krönung" des Ganzen war der Besuch des Niedersächsischen Innenministers Heiner Bartling und dem Landtagsabgeordneten Wolfgang Schurreit (SPD), die am gleichen Tag das "AIS-Bürodorf" besichtigten und folglich auch zu der Einweihung des Betriebskindergartens eingeladen wurden.

Beide Politiker distanzierten sich aufgrund der fehlenden Erlaubnis von der offiziellen Einweihung, konnten sich jedoch der unangenehmen Situation nicht mehr entziehen. Durch das christliche Begrüßungsritual und den grossen Strauß lachsfarbener Rosen für den Innenminister, überreicht von der kleinen Tochter des Weinmann Freundes Burghard Kurz, war für Anwesende und lokale Medien klar, der Minister war eigens eingeflogen, um diesen vorbildlichen Kindergarten zu eröffnen.

Dazu Christoph Unger, Sprecher des Innenministeriums: "Der eigentliche Firmenbesuch ist zu einer förmlichen Einweihung hochstilisiert worden. Ein Ministerbesuch ersetzt jedoch keine Genehmigung", betont Unger. SPD-Kandidat Weinmann hatte aber schon vor seiner Kandidatur ein recht eigenes Verhältnis zu seinen Parteigenossen aus Hannover.

So heißt es in seiner Hauswurfsendung an das Amt Neuhaus: "Und als Hannover unsere Heimat in einen Nationalpark verwandeln wollte, habe ich mich, zusammen mit vielen anderen, dagegen engagiert - unter anderem auch durch die regelmäßigen Mittwochsgebete in Kaarßen und Neuhaus." Die gleiche Partei, gegen die Weinmann einst sogar öffentlich gebetet hat, wird jetzt für eine Bürgermeisterkandidatur und die "Absegnung" persönlicher Interessen genutzt.

Die Neuhauser Bewohner haben den "Heilsbringer" Rudi Weinmann bereits anderweitig kennengelernt. So steht in dem offenen Brief von Fährbetreiber Michael Herold an den christlichen Kandidaten: "Wenn Sie schon als Kandidat zur Kommunalwahl derart diktatorisch auftreten, was wird dann erst geschehen, falls Sie tatsächlich in Amt und Würden kommen sollten. Gott schütze das Amt Neuhaus!" (...und die Genossen!?) -fr-
29.08.2001

 
[Übersicht Archiv]    [Startseite Luene-Info]