Freiwillige Feuerwehr feierte 100-jähriges Bestehen mit stimmungsvollen Kommers

 
Erster Schornsteinbrand mit Schrotflinte gelöscht

Breetze.
Ein bißchen enttäuscht war Ortsbrandmeister Karl-Heinz Dahms schon, daß so viele Plätze anläßlich der 100-Jahr-Feier seiner Wehr, der er immerhin schon seit 1990 vorsteht, frei blieben.
Bedingt durch diverse Terminüberschneidungen war das jedoch nicht zu vermeiden.
Aber diejenigen, die an diesem Fest teilnahmen, haben es mit Sicherheit nicht bereut.
So konnte Karl-Heinz Dahms u. a. Kreisbrandmeister Werner Meyer, Stadtbrandmeister Henning Banse ("was gibt es Wichtigeres als eine 100-Jahr-Feier?"), den Vorsitzenden des Feuer- und Katastrophenschutzausschusses, Manfred Bode, Walter Neumann, Ehrenmitglied aller 13 Ortswehren, und Abordnungen der anderen Bleckeder Ortswehren begrüßen.
Anlaß für Gründungen von Feuerwehren war Ende des 18. Jahrhunderts eine große Feuersbrunst. Dem konnte sich dann auch Breetze nicht verschließen.
Hier wurde am 18. Januar 1902 die Wehr gegründet, erster Hauptmann war Heinrich Burmester, der gleich mit 22 Feuerwehrkameraden aufwarten konnte.
Es wurde der Dorfteich vergrößert, damit auch stets genug Löschwasser vorhanden ist.
Und ein in der Nähe stehender Baum mußte gefällt werden, er warf einfach zu viel Laub in den Teich. Größter Wunsch der engagierten Wehrleute war ein Feuer.
Freiw. Feuerwehr zu Breetze 1904
Freiw. Feuerwehr zu Breetze 1904
Lange mußten sie darauf warten - doch endlich hieß es: es brennt! Aufgeregt rückten sie aus zu einem Schornsteinbrand, der jedoch nicht mit Wasser, sondern vom Spritzenhausmeister mit der Schrotflinte gelöscht wurde. 1936 hatten die Wehrmänner ein Feuer in der Ziegelei in Breetze zu löschen, das durch Teerkochen entstanden war. Hier konnten sie endlich zeigen, was sie 'drauf' hatten. Stolz war die Wehr, als 1949 eine erste Motorpumpe zur Verfügung gestellt wurde.

Und von 1950 bis 1957 war die Breetzer Wehr in aller Munde. Warum? Es hatte sich eine starke Wettkampfgruppe gebildet, die weit über Breetze hinaus bekannt und gefürchtet wurde,
denn sie heimste fast nur erste Plätze ein. Garanten für die Erfolge waren Franz Karnowski,
Willi Röhrup, Heinrich Bausch, Georg Zurmühlen, Fritz Balke, Otto Schröder und Friedhelm Gerstenkorn. Sogar der erste Kreispokal ging in den Besitz der Breetzer Wehr.

1956 wurde eine neue Magirus-Deutz-Motorpumpe angeschafft, die noch heute im Besitz der Breetzer Wehr ist. Später folgte ein TS, das jedoch noch mit einem Trecker gezogen wurde. 1984 wurde ein Borgward zu einem TS umgearbeitet - doch nun war das Gerätehaus zu klein. Otto Schröder bot ein Ausweichquartier an. Seit 1990 ist die Breetzer Wehr auch als Ölabwehrzug mit eingebunden.
Auf einen mehrere Tage dauernden Brand in den Breetzer Bergen, auf viele Hilfeleistungen, Menschenrettungen und Personensuchen kann die Wehr zurückblicken. Sie war stets zur Stelle, wenn sie gebraucht wurde. Und auch aus dem dörflichen Leben ist die Wehr nicht wegzudenken. Herausragendste Veranstaltung ist das jährliche Osterfeuer, das Besucher aus nah und fern anlockt.
Heute zählt die Wehr 33 Aktive, 7 Mitglieder in der Altersabteilung und 42 Fördermitglieder.
In den Reihen der Wehr sind viele gut ausgebildete Kameraden, die schnell und fachkundig erforderliche Hilfe leisten können.

Grußworte an das Geburtstagskind richtete Manfred Bode, er stellte für die weitere Zukunft sogar den Bau eines neuen Gerätehauses in Aussicht - und für die nahe Zukunft die Anschaffung eines Fahrzeuges.
Kreisbrandmeister Werner Meyer gab einen hochinteressanten Einblick in die allgemeine Geschichte der Feuerwehr. Wie ging es los? Auslöser war ein "Toben der Tochter der Natur", ein Großbrand 1846 in Hamburg, dem viele Gebäude und Menschen zum Opfer fielen. Damit begann alles.
Und bis 1900 hatten sich bereits 28 Feuerwehren im Landkreis Lüneburg gegründet.
Fundament für eine schlagkräftige Wehr sei eine intakte Dorfgemeinschaft - hier in Breetze stimme alles, so der Kreisbrandmeister abschließend...
Erinnerungsfoto im "Historienzimmer"
Erinnerungsfoto im "Historienzimmer"
Stadtbrandmeister Henning Banse sagte, daß sechsmal in diesem Jahr in den Bleckeder Ortswehren das 100-Jährige gefeiert werde. Breetze mache den Anfang. 100 Jahre Feuerwehr bedeute auch "100 Jahre Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr". Er machte deutlich, daß die Bleckeder Politiker hinter allen 480 Feuerwehrkameradinnen und -kameraden in den 13 Ortswehren stehe. Er selbst würde sich freuen, wenn Breetze wieder eine Wettkampfgruppe gründet und in die Fußstapfen der Wettkampfgruppe von 1950 trete. Vielleicht schon beim Stadtwettkampf 2003?

Im liebevoll ausgestatteten "Historienzimmer" konnte sich jeder Besucher einen Eindruck über die 100-jährige Feuerwehrgeschichte in Breetze machen. Viele alte Namen machten die Runde und so manche Erinnerung an besondere Begebenheiten wurde wach.
Es war ein rundherum gelungener Festkommers mit vielen Getränken, vielen Gesprächen und ganz vielen leckeren Schmalzbroten.
-cv-
07.02.2002
 
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