Sind Fahranfänger potentielle Raser?

 
Barskamp. Die Polizei Bleckede hatte Jugendliche zu einem Informationsabend nach Barskamp eingeladen. Auf dem Jugendboden des Gemeindehauses sollte der Frage nachgegangen werden, ob Fahranfänger potentielle Raser sind.
Dazu waren neben den Polizeibeamten Udo Regenthal und Christian Aschenbrenner auch der Chef des Bleckeder Polizeikommissariats, Hans-Werner Soetebeer, und der Leitende Polizeidirektor Hans-Jürgen Wieben aus Lüneburg gekommen.

Zunächst zögerlich füllte sich der Jugendboden, Jugendliche aus dem Bleckeder und dem Neuhauser Raum waren zu dieser Veranstaltung eingeladen. Ein erstes Erschrecken rief schon das am Eingang aufgestellte Autowrack hervor, ehe Jugendliche mit einem Rollenspiel einen Unfall darstellten, eine schaurige Szenerie, die alle Schrecken eines schweren Unfalls deutlich machte. Da sind nicht nur die Verunglückten, auch die Retter, Feuerwehr, Ärzte und Polizisten sind betroffen und vor nahezu unlösbare Aufgaben gestellt.

"Wir wollen hier nicht mit erhobenen Zeigefinger agieren, sonder wollen Kontaktpflege und Unterstützung anbieten und versuchen Unfälle zu verhindern", so Hans-Jürgen Wieben. Die Polizei will keine Angst verbreiten, sondern ein verständnisvoller Partner sein. Betroffene wurden vom Moderator Sven Garbers aufgefordert, über ihre Erfahrungen zu berichten, da war ein junger Mann, der das Auto seines Freundes zu Schrott gefahren hat. Ursache? Zu schnell gefahren, die Kontrolle über das Fahrzeug verloren. Glück im Unglück, der Verursacher wurde nicht allzu schwer verletzt - und auch die Freundschaft sei darüber nicht zerbrochen.

Und da ist der Neuhauser Christian - er ist als Kirchturmheizer bekannt -, der kein allzu gutes Verhältnis zur Polizei hat. Wurde ihm doch kurzerhand das Auto stillgelegt, weil es nicht versichert war. Und das, obwohl das Auto sein 'liebstes' Spielzeug ist. Betroffen macht die Geschichte der 18-Jährigen Julia, die im August des vergangenen Jahres als Beifahrerin Opfer eines schweren Unfalles auf der L 221geworden ist. Ursache: Raserei.
Sie erlitt schwerste Rückenverletzungen und lag sechs Monate im Krankenhaus, nun kann sie sich nur mittels eines Rollstuhles bewegen. Aber sie hat den Mut nicht aufgegeben und hofft, bald auch ohne Rollstuhl wieder mobil sein zu können. Und dann will sie auch ihren Führerschein machen. Angst, sich zu jemanden ins Auto zu setzen, hat sie nicht, aber ein bißchen auf die Geschwindigkeit achtet sie dann schon.

Fazit: Junge Leute überschätzen sich und ihre Fahrzeuge häufig, sie machen sich einen Spaß daraus, Wettfahren zu veranstalten, ohne die Folgen zu überdenken. Nicht unbedingt mit Ja zu beantworten ist die aufgeworfene Frage, ob alle Fahranfänger potentielle Raser sind. Zumindest stellen sie eine Gefahrengruppe dar und hier würde sich ein Fahrsicherheitstraining mehr als anbieten, welches ggf. vom ADAC angeboten wird.

Eindrucksvoll weisen aufgestellte Bilder mit Straßenbäumen und Totenkreuzen auf die Folgen eines leichtsinnigen Fahrens hin, und die Polizei verhehlt nicht ihre schwere Aufgabe, den Eltern den Tod ihres Kindes mitzuteilen. So manches dieser Kreuze hätte bei einer angepassten Geschwindigkeit verhindert werden können. -cv-
08.05.2002

 
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