Kreislandvolktag in Bleckede.
Bundeslandwirtschaftsminister a. D.
Karl-Heinz Funke macht Mut für die Zukunft

 

Bleckede. Im rappelvollen Saal des Bleckeder Hauses sorgte ein unentwegt agierender Herr v. Campen dafür, dass auch der letzte Besucher noch einen Platz bekam.

Der stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes des Niedersächsischen Landvolkes, Henning Hornbostel, freute sich über das große Interesse an der Landwirtschaft, und die lange Gästeliste mache den hohen Stellenwert der Landwirtschaft deutlich.

Herzliche Genesungsgrüße richtete Hornbostel an den schwer erkrankten Vorsitzenden Jürgen Wischmann.
Bleckedes Bürgermeister Ludger Bisping sprach in seinem Grußwort davon, dass die Bundesrepublik zu den reichsten Ländern der Welt gehöre, dennoch befänden sich die Kommunen in einer miserablen Lage.



Karl-Heinz Funke
Man müsse weg von der Verordnungsflut in allen Bereichen, während Landrat Fietz betonte, wie wichtig der Landkreis die Sorgen der Landwirte nimmt. Bedenklich stimme ihn, dass von 1235 landwirtschaftlichen Betrieben im Jahr 1991 heute nur rd. 950 landwirtschaftliche Betriebe bestehen, die insgesamt 64.513 ha bewirtschaften.

Die Kreisvorsitzende der Landfrauen, Christel Wegener, ließ die Ereignisse des vergangenen Jahres Revue passieren - doch das sei nun Vergangenheit, jetzt müsse in die Zukunft geblickt werden.
Mit Spannung erwartet wurde das Referat von Bundeslandwirtschaftsminister a. D. Karl-Heinz Funke zu dem Thema 'Agrarwende - Zukunft der Landwirtschaft'. Um es gleich vorweg zu sagen, Funke sieht in einer Agrarwende, wie sie heute von seiner Nachfolgerin angedacht sei, keinen Vorteil, ja, sie sei sogar zum Scheitern verurteilt.

Denn wer will schon nur vegetarisch essen. Und Regionalvermarktung? Das würde nur bedingt lohnenswert sein. Ein Problem sei auch die Überproduktion, die abgesetzt werden muss. Wie wäre es, wenn beim traditionellen Münchener Oktoberfest statt Bier Milch ausgeschenkt würde?, stellte Funke schmunzelnd in den Raum.
Ökologischer Anbau? Generell ja, bislang jedoch werden nur 3% der Gesamtlandwirtschaft ökologisch bewirtschaftet und damit liege Deutschland schon in der oberen Hälfte der europäischen Union. Aber ist die Bevölkerung bereit, entsprechend mehr auszugeben für Öko-Produkte? Sicher nur kurzfristig, wenn gerade mal wieder eine Katastrophe publik geworden ist.

Die Bereitschaft, Öko-Produkte zu kaufen, wird landesweit bekundet, jedoch selten auch realisiert. Zudem verursachen immer wieder neue Tierhaltungsverordnungen den Landwirten immense Kosten. Aber er machte den Landwirten auch Mut. Sie sollen Eigentum schaffen, Eigentum erhalten und Eigentum vermehren. Und man müsse bedenken, das heute 500.000 Arbeitsplätze durch die Schweinehaltung gesichert sind. Ab 2006 sollen alle Legehennen europaweit freilaufend gehalten werden.

Aber Hennen sind Allesfreser und wollen Sie Eier von freilaufenden Hühnern, die u. U. sogar ihren eigenen Kot fressen, essen? Die Käfighaltung sei zwar nicht optimal, aber man müsse auch bedenken, dass 20.000 bis 30.000 Arbeitsplätze dadurch zur Verfügung gestellt werden. Funke ging auf die Massentierhaltung - nur 2% der Schweinezüchter in Deutschland haben mehr als 100 Sauen - ebenso ein wie auf die Viehtransporte. Bei entsprechender Ausstattung der Transporter sei die Zeit nicht unbedingt relevant, wichtig sei, dass die Tiere rundum gut versorgt werden.


Funke ermunterte die Landwirte, zu investieren, denn die Landwirtschaft habe eine hervorragende Zukunft, jeder 8. Arbeitsplatz in der BRD sei durch die Landwirtschaft gesichert. Und inzwischen versorge ein Landwirt 131 Verbraucher mit Nahrungsmitteln.
Jens Uffmann, stellvertretender Vorsitzender, beendete den Kreislandvolktag 2002, er wünsche sich für die Zukunft eine konstruktive Begleitung der landwirtschaftlichen Interessen. Er erwarte keine Pauschalsolidarität mit der Landwirtschaft, sondern eine sachliche Auseinandersetzung mit der Situation. Herrn Funke bat er, ob nun mit oder ohne Mandat, seinen landwirtschafltichen Einfluss weiterhin geltend zu machen. -cv-
06.03.2002
 
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