Ältestes Haus Niedersachsens stand in Rullstorf Archäologen stoßen am Kronsberg auf neue Ausgrabungsfunde

 
Scharnebeck. Das älteste Haus Niedersachsens stand auf dem Kronsberg bei Rullstorf: Bei Ausgrabungen fanden Archäologen die Reste eines Langhauses, dessen Baujahr anhand von Keramikfunden auf etwa 4000 Jahre vor Christi datiert wurde.

"Dieser Fund ist ein Grund, die Sektkorken knallen zu lassen", freute sich Ausgrabungsleiter Wilhelm Gebers gestern bei der Vorstellung der Funde im Scharnebecker Rathaus.

Zunächst war das Haus aufgrund von Holzkohleresten, die man in einer Feuerstelle fand, sogar erheblich älter geschätzt worden. C14-Kohlenstoff-Untersuchungen der Universiät Kiel ergaben ein Alter von mehr als 9200 Jahren, "plusminus 60 Jahre", rechnet Gebers vor.

Seit 15 Jahren wird am Kronsberg bei Rullstorf gegraben, immer wieder finden die Wissenschaftler wertvolle Hinweise auf das Leben unserer Vorfahren.
Doch die Hauptbesiedelung im Raum Rullstorf habe wahrscheinlich erst mit Beginn der Warmzeit rund 3000 Jahre später begonnen, "als die Menschen Bauern wurden und zu Bauen begannen." Seit rund 15 Jahren graben die Wissenschaftler in Rullstorf die Reste eines sächsischen Gräberfeldes aus.

Der Fundort erwies sich dabei als besonders ergiebig und sei neben Schöningen ein Schwerpunkt der Denkmalpflege in Niedersachsen, berichtet Landeskonservatorin Dr. Christiane Segers-Glocke. Die Präsidentin des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege lobte die Zusammenarbeit mit der Samtgemeinde und dem örtlichen Verein für Heimatkunde, dessen Mitglieder einst die ersten Fundstücke ausgruben: "Der Kronsberg ist ein Ort, an dem wir nicht vorbeigehen können.

" Zahlreiche unerwartete Funde verzögerten immer wieder den hier geplanten Sandabbau, "davon können die Kiesgrubenbesitzer ein Lied singen." So wurde kürzlich ein Grab gefunden, in dem ein Pferd samt Sattel und Zaumzeug gefunden wurde. Zwar war ein Großteil des aus Holz gefertigten Sattels verrottet, doch konnte das Stück anhand der Überreste rekonstruiert werden: unsere Vorfahren bezogen die harten Holzsättel offenbar mit Fell vom Rotwild. "Der Sattel stammt aus der Zeit um 750 nach Christus", schätzt Wilhelm Gebers.

Bereits die Römer kannten Sättel, doch bis zum Mittelalter waren bisher keine Funde bekannt. Etwa einen Monat dauerte die Ausgrabung des Pferdegrabes, weitere sechs Monate, schätzt Gebers, werde die Restaurierung dauern. -aj-
28.06.2001
 
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