"Komm wir fahren nach Lüneburg zum Einkaufen"
...und der Einzelhandel in der Region steht mit dem Rücken an der Wand

 
Bleckede. Kennen Sie den Satz? Kennen Sie die Situation des Einzelhandels in Bleckede? Eine große Menschenansammlung in der Bleckeder Innenstadt zur Weihnachtstaler-Hauptverlosung.

So viele Menschen wie schon lange nicht mehr. "Tolle Aktion", "Ich habe auch was gewonnen", "Hoffentlich kommt die Aktion im nächsten Jahr wieder", zufriedene Stimmen im Publikum, Stimmen aus Bleckede.

Die Bleckeder Innenstadt anläßlich der Weihnachtstaler-Hauptverlosung
Zugegeben eine wirklich gelungene Aktion der Werbegemeinschaft. Eine Aktion, die die Mitglieder des Vereins finanzierten, allein eine Summe von ca. 15.000 DM wurde verlost. Eine Aktion, die vom Vorstand des Vereins hart erarbeitet wurde. Aber auch eine Aktion, die zeigte, daß es möglich ist in Bleckede gut einzukaufen, wesentlich mehr als in den Vorjahren.

Aber was ist mit den restlichen "Nichtweihnachtstaler-Tagen"? Wie sieht es an den elf restlichen Monaten im Jahr aus? Eine belebte Innenstadt? Ein geschäftiges Treiben? Shopping? Wohl kaum, teilweise wirkt die Innenstadt wie ausgestorben. In seiner kurzen Ansprache, vor der Verlosung am vorletzten Wochenende, versuchte Michael Thies, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Bleckede, auf die nicht gerade rosige Situation des Handels aufmerksam zu machen.

Doch die Verlosung stand zu sehr im Vordergrund. Auch in diesem Jahr werden einige Geschäfte schließen, bzw. wurden schon geschlossen. Geschäfte, die die Lebensqualität in Bleckede mitgestalten. Mit Sicherheit schließen sie nicht, weil sie zu viel verdient hätten. Viele Geschäfte kommen gerade so über die Runden.

Viele Geschäfte werden äußerlich auch nicht attraktiver und könnten nicht nur einen neuen Anstrich gebrauchen, aber woher nehmen? Die Schere geht immer weiter auseinander. Auf der einen Seite weniger Umsatz und steigenden Kosten, auf der anderen Seite immer stärkere und attraktivere Wettbewerber in den größeren Städten. Eine Situation die vergleichbar ist mit den Ortsteilen von Bleckede. Beispiel Alt Garge: heute ein Kiosk und an wenigen Tagen in der Woche hat ein Bäcker geöffnet.

Nehmen Sie Barskamp: ein kleines Lebensmittelgeschäft, auch so in Garze. In den übrigen Ortsteilen - nichts. Man ist angewiesen auf Autos und den öffentlichen Nahverkehr, um überhaupt den tagtäglichen Bedarf zu decken. Wir zetern darüber, daß wir unseren liebgewordenen Parkplatz vor der Haustür nicht mehr so nutzen können, weil es Parkscheiben gibt und wir 10 Meter weiter gehen müssen.
Die Bleckeder Innenstadt an einem sonnigen Mittwoch im Juni 2000 um 11.00 Uhr
Wir beklagen uns darüber, daß es einmal pro Jahr einen Weihnachtsmarkt, alle zwei Jahre ein Stadtfest und jetzt vielleicht einmal pro Jahr eine Weihnachtstaler-Verlosung, die mit Lärm verbunden sind, gibt.

Glaubt ernsthaft jemand, daß ein Kaufmann Geld in eine Sache steckt, die ihm nur Ärger einbringt? Wohl kaum, denn er ist bemüht die Innenstadt schöner, attraktiver und interessanter zu gestalten, damit mehr Leute in seinem Geschäft einkaufen.

Würde er das nicht tun, würde es ihn bald nicht mehr geben und langfristig gesehen, hätten wir bald die Situation wie in den Ortsteilen von Bleckede. Nur, etwas weiter müßten wir schon zum Einkaufen fahren. Und nicht anders verhält es sich mit dem Tourismus in Bleckede, der noch in den Kinderschuhen steckt.

Keine attraktive Innenstadt, keine interessanten Angebote - keine Touristen. Oder verbringen Sie Ihren Urlaub in einer trostlosen Gegend? Es wird Zeit, daß wir in der Region aufwachen, daß wir unsere Ressourcen nutzen und vermarkten. Ansonsten sind wir bald ein naturbelassenes Hinterland für Sightseeing-Touren der größeren Städte, dann sind die Anstrengungen und Investitionen, auch z.B. der Stadt, für ein Touristinformationszentrum im Schloß, umsonst gewesen.

Mir ist schon bekannt, daß ich für diesen Kommentar nicht nur Lob ernten werde, da viele Details nicht berücksichtigt wurden. Mir ist aber auch klar, daß wir als regionale Zeitung nicht nur schön reden können, was nicht richtig ist, denn wir leben auch in und von dieser Region.

Es geht hier nicht um Front gegen Einkäufe in Lüneburg zu machen, denn jeder weiß, daß viele Dienstleistungen und Produkte "vor Ort" nicht erhältlich sind und daß zum Shoppinggefühl ein besonderes Flair und Einkaufserlebnis gefragt ist. Es geht vielmehr darum, die Möglichkeiten, die diese Region bietet, auch zu nutzen.

Sagen Sie den Geschäftsleuten, was nicht in Ordnung ist, was noch verbesserungswürdig ist, denn Sie sind der Kunde. Sagen Sie aber auch was Ihnen gefällt und nutzen Sie die Angebote. Helfen Sie mit, daß diese Region nach vorne kommt. Die Elbmarsch-Post wird in jedem Falle alle Anstrengungen unternehmen, um diese Region zu fördern. Das gilt nicht nur für Bleckede, sondern für den gesamten Einzugsbereich der Elbmarsch-Post, denn in vielen anderen Gemeinden sieht es nicht besser aus. Wolfgang Herbst, Chefredakteur
17.01.2001
 
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