Auftaktkundgebung in Lüneburg, Liebesgrund zum Castortransport im November 2001

Widerstand gegen Atomanlagen lässt nicht nach!
Großdemonstration in Lüneburg 10.11.2001

Trotz Krieges in Afghanistan und WTO-Konferenz Tausende von Menschen bei Auftaktdemos gegen Castortransport in Lüneburg und Karlsruhe.

Der Widerstand gegen den Betrieb von Atomanlagen lässt nicht nach. Obwohl gleichzeitig in mehreren Städten Demonstrationen gegen den Krieg in Afghanistan und die WTO-Konferenz in Katar stattfanden, beteiligten sich an den Auftaktdemonstrationen gegen den bevorstehenden Atommülltransport nach Gorleben in Lüneburg mehrere tausende und in Karlsruhe mehre hundert Menschen.

Die Zahlen über die Demonstrationsteilnehmer unterschieden sich z.T. erheblich. Pressesprecher der Polizei sprachen zuerst von 1.500 dann von 5.000 Demonstranten. Es waren mehrere Hundertschaften an Polizisten im Einsatz

Pressesprecher des Aktionsbündnis Castor und Wolfgang Ehmke (Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg e.V) sprachen von 8000 bis 10000 Teilnehmerinnen an der Auftaktkundgebung in Lüneburg.

Wolfgang Ehmke, Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg ist mit der Teilnehmerzahl der Auftaktkundgebung zufrieden
Wolfgang Ehmke (Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg) ist mit der Teilnehmerzahl der Auftaktkundgebung zufrieden
Ehmke ist mit 8000 Demonstranten zufrieden. "Es war eine Zitterpartie angesichts des Medieninteresses was Krieg und Terror angeht. Das Thema "Castor" ist in den letzten Wochen vernachlässigt worden. Er ist froh, daß trotzdem so viele Menschen mobilisiert werden konnten. "

Der Demonstrationszug setzt sich in Bewegung
Der Demonstrationszug setzt sich in Bewegung
Um 11.20 Uhr setzte sich der Demonstrationszug von den Sülzwiesen aus, durch die Lüneburger Innenstadt zum Liebesgrund in Bewegung. Ein nicht enden wollender Demonstrationszug zog zum Sande und teilte sich dort, um durch die Grapengießerstraße und Bäckerstraße über den Marktplatz zum Liebesgrund zu ziehen, dem Ort der Auftaktkundgebung.

Befragte Passanten fühlten sich durch die Demonstration nicht gestört. Sie zeigten sich verständnisvoll und sehen diese Kundgebung des Widerstandes als berechtigt an.

Auf der Kundgebung in Lüneburg sprachen Renate Backhaus (BUND), Jochen Stay (X1000malquer), Elke Steven (Komitee für Grundrechte und Demokratie) und ein Vertreter der Messstelle für Arbeits- und Umweltschutz ( MAUS e.V.), er appellierte an die Anti-AKW-Bewegung, sich radikal gesellschaftskritisch zu positionieren. Wenn das "Übel der Atomkraft" an der Wurzel gepackt werden soll, "kann das nur eine Gesellschaft sein, in der nicht ökonomische Rationalität und Macht im Vordergrund stehen, sondern der Mensch ..."
Gesellschaftskritik bis hin zur Thematisierung der Grundrechte und ihrer Ausübung beherrschten die Auftaktkundgebung im Liebesgrund.

Renate Backhaus vom BUND:
"Es hat sich nichts geändert nach dem 11.September 2001." "Weil das Ansehen auf dem Spiel stand, wurde zur Zeit der EXPO ein Transport abgesagt." Nach dem 11. September 2001 wurde der Transport nicht abgesagt."

Renate Backhaus  vom BUND fordert die Aussetzung der Atommülltransporte
Renate Backhaus vom BUND fordert die Aussetzung der Atommülltransporte
Sie machte in ihrer Rede auf Risikien durch Terroranschläge aufmerksam.
Laut Aussage des Bundesumweltministers sind Atomkraftwerke nicht gegen derartige Terroranschläge sicher. Backhaus fordert, daß keine weiteren Transporte stattfinden und den Ausstieg aus der Atomenergie.
Einfallsreiche Atomkraftgegner bei der Demonstration in Lüneburg
Einfallsreiche Atomkraftgegner bei der Demonstration in Lüneburg
"Nach Artikel 2 des Grundgesetzes hat jeder das Recht auf Leben und körperlicher Unversehrtheit."
"Seit über 20 Jahren müssen wir mit dem Risiko der Freisetzung von Radioaktivität durch z.B. Atommülltransporten leben.

Der Umweltminister zieht keine Konsequenzen aus der Schlamperei und Ausübung von Straftaten durch Atomenergiebetreiber." "Nichts hat sich geändert". Viel wichtiger ist die biometrische Erfassung aller Bürger die somit als potentielle Terroristen dargestellt werden.

Für Backhaus bedeutet innere Sicherheit, daß unsere Nachkommen noch tausende von Jahren sich um die Sicherung des Atommülls kümmern müssen.
"Wir haben Angst vor Krieg in Afghansistan und Angst vor einem Kampf mit der Polizei.Wir sind und bleiben friedlich und gewaltfrei. Wir sind entschlossen uns zu widersetzen. Auch daran wird sich nichts ändern."
Die Soziologin Elke Steven (Komitee für Grundrechte und Demokratie) warnte vor einer Erstarrung der Demokratie, wenn die Versammlungsfreiheit nicht gewahrt bleibt.
"Die Versammlungsfreiheit ist ein Zeichen der Freiheit und der Mündigkeit des Bürgers, daran orientieren wir uns."

Laut Bundesverfassungsgericht dürfen Demonstrationen nicht leichtfertig verboten werden: Es müssen für ein Verbot nachweisbare Tatsachen vorliegen und nicht nur Vermutungen.

Die Soziologin Elke Steven  plädiert für Versammlungsfreiheit als demokratisches Urrecht
Die Soziologin Elke Steven plädiert für Versammlungsfreiheit als demokratisches Urrecht
"Im Alltag sind wir schon daran gewöhnt, daß es immer wieder staatliche Eingriffe und Auflagen gegen die Freiheit des Bürgers gibt." Steven sieht im Widerstand im Wendland "die Geschichte des Eingriffs des Staates in die Demokratie.
Konfliktmanagement seitens der Demonstranten?
Konfliktmanagement seitens der Demonstranten?
Sitzblockaden werden zu Gewalttaten umgedeutet. "Es findet eine Kriminalisierung der Gruppen statt, die den Protest gegen Atomenergie und alles was damit zusammenhängt tragen. Es wird ein Bild konstruiert, welches nur noch gut und böse, Freund und Feind kennt."

Aber es gibt immer mehr Bürger die die Gefahr sehen, nach dem 11. September 2001. Erste Bürgerpflicht ist Kritisches Denken und Handeln. Demonstrationen sind demokratisches Urrecht."

"Mal sehen wie lange der Zug diesmal braucht". Jochen Stay berichtete in seiner Rede, daß die Anti-Atom-Bewegung mehr verhindert hat als die Grüne Politik. "Kein Atommüll-Transport konnte in diesem Jahr ungehindert fahren. Statt geplante 95 konnten nur 41 fahren."
Ziel des Widerstandes ist die sofortige Stillegung aller Atomanlagen weltweit. Er mahnt die Presse den Widerstand gegen den bevorstehenden Atommülltransport nicht als "Sportveranstaltung" zu betrachten. Es geht nicht darum " wer gewinnt", die Polizei oder die Atomkraftgegner. Die Medien sollten die Politik in dieser Sache nicht aus den Augen verlieren.

Stay mahnte zur Ruhe und Besonnenheit, zu widerstehen ohne zu provozieren. "Niemand ist bereit uns vor Atomlagerung zu schützen: wir schützen uns selbst"

Jochen Stay (X1000malquer) mahnte bei seiner Rede ruhig und besonnen zu widerstehen
Jochen Stay (X1000malquer) mahnte bei seiner Rede ruhig und besonnen zu widerstehen
"Regierungen und Energiebetreiber wissen, daß Gorleben kein sicherer Lagerplatz ist. Was wir tun ist kein Unrecht, es ist eine Gewissensentscheidung." Der Staat hat in diesem Konflikt längst Grenzen überschritten. Der Konflikt wird mit Hilfe der Polizei ausgetragen: Das ist ein politisches Armutszeugnis. Die Herren wissen was sie tun und sie tun es trotzdem"
Der Demonstrationszug Am Sande kurz vor seiner Teilung
Der Demonstrationszug Am Sande kurz vor seiner Teilung
"Je mehr Menschen "ungehorsam" sind, desto schwerer ist es sie zu kriminalisieren."
In Redebeiträgen und Sprechchören kündigten die DemonstratInnen ihren entschiedenen Widerstand gegen den bevorstehenden Castortransport nach Gorleben an.

Eine Teilnehmerin sagte: "Wenn sie unser Leben nicht achten, achten wir nicht ihre Gesetze und ihr Eigentum!"

"Der Castorzug steht bereit, die Castoren sind noch nicht verladen. Der Zug wird vermutzlich am Sonntag um 19.00 Uhr in La Hague losfahren..."

Organisiert wurde die Auftaktkundgebung vom Aktionsbündnis Castor.

Info:
Falls es dazu kommen sollte, daß jemand in seinen Freiheitsrechten eingeschränkt wird, gibt es Hilfe durch den Ermittlungsausschuß Wendland:
Tel-Nr. 05849/971030
Lüneburger Info-Tel: 04131 / 48599


10.11.2001

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