Bezirksregierung Lüneburg:
Anti-Castor-Camps sollen sich pauschal distanzieren

 
Streit um angemeldete Dauerdemonstrationen zwischen Uelzen und Gorleben/ AnmelderInnen wollen sich nicht kriminalisieren lassen

Die Bezirksregierung Lüneburg versucht offenbar, Anti-Castor-Camps im Wendland zu kriminalisieren. Die Ordnungsbehörde verlangt von den AnmelderInnen pauschale Distanzierungserklärungen. Das wird von den Camp-OrganisatorInnen unter Hinweis auf das Prinzip der Unschuldsvermutung zurückgewiesen.

"Wir wollen, dass die Leute wissen, dass sie gut ankommen, wenn sie sich auf den Weg ins Wendland machen." betont Dr. Dietrich Mackrodt, einer der Anmelder. Das Thema Gorleben sei alles andere als ein regionales Problem. Deshalb hält er es für unverzichtbar, dass sich auch Anti-Atom-Bewegte von weit her am Widerstand beteiligen können. Mit Mahnwachen, Kundgebungen und Workshops aber auch durch die einfache Begegnung zwischen Menschen aus den verschiedensten Bereichen des Lebens soll für die Stilllegung der Atomanlagen und für ein Ende des Atommülltourismus demonstriert werden.

Die hinhaltende Reaktion der Ordnungsbehörden ärgert die Aktiven. Die Bezirksregierung verlangt von allen anmeldenden Gruppen eine Distanzierungserklärung. ,Damit wird eine unbequeme Bewegung unter Generalverdacht gestellt, von dem sich Einzelne nur durch eine Unterwerfungserklärung reinwaschen können." kritisiert eine Mitarbeiterin der Govelin-Campgruppe. Einen solchen Kriminalisierungsversuch werde man nicht akzeptieren. "Wenn sich hier jemand distanzieren muss, dann ist das die staatliche Atomaufsicht von den kriminellen Machenschaften der Betreiber und willfähriger Beamter in Ohu, Neckarwestheim und Philippsburg."

Zur Aufnahme von Demonstrierenden haben Atomkraftgegnerinnen im Wendland Anti-Castor-Camps angemeldet. In Klein Bünstorf (Nähe Bad Bevensen), bei Dahlenburg, in Govelin, Hitzacker und in Breese sollen Zeltstädte entstehen. Menschen aus der gesamten Bundesrepublik und aus dem benachbarten Ausland haben ihren Protest gegen die anstehenden Castor-Transporte angekündigt.
(Presse-Agentur 70)
05.11.2001

 
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