Gleis-Aktion wird sehr teuer

 
Land schickt Rechnungen an Castor-Gegner -»Das geht in die Tausende»
ca Lüchow. Jochen Stay hatte gegen das Frühstück nichts einzuwenden: ,,Das war toll, vegetarisch.» Jetzt allerdings bittet das Land den Sprecher der Initiative X-1000mal-quer wohl zur Kasse - 184 Mark soll er zahlen für drei Tage in Polizeigewahrsam und den Transport in einem Polizei-»Taxi».

,,Wir haben Herrn Stay einen Anhörungsbogen geschickt, keine Zahlungsaufforderung», heißt es von der Bezirksregierung. Ob Stay zahlt, weiß er noch nicht: ,,Ich habe gegen den Gewahrsam Beschwerde eingelegt, die liegt jetzt beim Oberlandesgericht in Celle und ist noch nicht entschieden.»

Jochen Stay ist einer der Köpfe des hiesigen Anti-Atom-Widerstands. Er war beim Castor-Transport im März bei einer Protestaktion in Wendisch Evern vom Mobilen Einsatzkommando Lüneburg festgenommen und auf eine Wache gebracht worden. Dort saß er drei Tage hinter Gittern. Als der Atommüll ins Zwischenlager Gorleben rollte, ließ die Polizei Stay gehen. Er ist nicht der Einzige, dem das Land ans Portemonnaie will.

An rund 600 Protestierer, die von der Polizei in Gewahrsam genommen wurden, schickt die Bezirksregierung Rechnungen, so Dezernatsleiter Dirk Verleger. Zwar gibt es in Niedersachsen keine Wegtragegebühr wie in Baden-Württemberg, aber eine kleine Preisliste haben auch die Polizisten zwischen Elbe und Harz.
So kostet die Unterbringung pro angefangenem Tag 38 Mark, die Fahrt im Polizeifahrzeug 70 Mark. Für Transporte im Hubschrauber muss je nach Maschine pro angefangener Viertelstunde zwischen 300 und 860 Mark gelöhnt werden.

Auch auf die vier jungen Leute, die sich bei Süschendorf im Gleisbett einbetoniert hatten und so den Castor-Transport 17 Stunden aufhielten, dürfte eine saftige Forderung zukommen. ,,Wir sind dabei, die Summe zusammenzustellen», sagt der Pressesprecher des Grenzschutzpräsidiums Nord, Joachim Haack, und listet auf: ,,Es gelten die Stundensätze für Spezialkräfte, dazu kommen Kosten für Gerät und Transport.» Das gehe in die Tausende.

Doch nicht nur die Demonstranten sollen zahlen, auch das Land öffnet die Schatulle, berichten Regierungspräsidentin Ulrike Wolff-Gebhardt und ihre Mitarbeiter. In elf Fällen bestehen Ansprüche, alles in allem rund 100000 Mark. Die größten Happen machen Flurschäden im Tiergarten und bei Nahrendorf mit je 35000 Mark aus. Auch für ein totes Pony zahlt Hannover.
Das Tier war in Lemgrabe zusammengebrochen, als dort 16 große Polizei-Hubschrauber mit Beamten landeten. Die Entschädigung berechnet sich recht prosaisch: zwei Mark pro Kilo Lebendgewicht plus Tierarztkosten - rund 1300 Mark.
( Elbe-Jeetzel Zeitung)
12.06.2001

 
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