Mehr als 120 Festnahmen nach Atom-Protesten |
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Ludwigshafen/Valognes. Bei den deutschen Protesten gegen die
Atommülltransporte zur französischen Wiederaufarbeitungsanlage La
Hague sind am Dienstag mehr als 120 Menschen vorübergehend
festgesetzt genommen worden.
Unter den neun Festgenommenen sind ein 17-Jähriger und eine 24 Jahre alte Frau, die sich kurz vor der französischen Grenze an die Gleise gekettet und den Zug mit abgebrannten Atombrennstäben zu einem einstündigen Stopp gezwungen hatten. Dies teilte die Polizei am Mittwoch in Ludwigshafen mit. Am Nachmittag erreichte der erste deutsche Atom-Transport nach Frankreich seit 1998 trotz weiterer Blockadeaktionen die Normandie. Die fünf Behälter mit dem radioaktiven Müll erreichten den Verladebahnhof in Valognes jedoch mit mehrstündiger Verspätung. Die Brennstäbe aus den Kraftwerken Biblis (Hessen), Grafenrheinfeld (Bayern) und Philippsburg (Baden-Württemberg) sollen bis zum Wochenende auf dem Straßenweg zur Wiederaufarbeitungsanlage gebracht werden, sagte ein Sprecher der La Hague- Betreibergesellschaft Cogema. Der Transport war am Dienstag in Wörth (Rheinland-Pfalz) zusammengekoppelt worden und dann nach Frankreich weitergefahren. Im Verlauf dieses Jahres erwarte die Cogema die Lieferung von weiteren rund 200 Tonnen Atommüll aus Deutschland, sagte der Sprecher. In Philippsburg wurden sechs Greenpeace-Aktivisten festgenommen, teilten Polizei und Bundesgrenzschutz (BGS) in Karlsruhe mit. Die Umweltschützer waren mit zwei Mietwagen auf die Gleise gefahren. Sie wurden erst am Mittwochnachmittag wieder frei gelassen. Alle anderen Protestierer befinden sich bereits seit Dienstag wieder auf freiem Fuß. Auf seinem Weg durch Frankreich hatten mehrere Dutzend französische Atomkraftgegner der Grünen den Zug einige Male gestoppt, allerdings nur für kurze Zeit. Auch vier Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace, die sich im nordfranzösischen Bahnhof Caen an die Gleise gekettet hatten, wurden nach wenigen Minuten von der Polizei abgedrängt. In Valognes hatten sich 250 Angestellte der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague versammelt, um Protestaktionen zu verhindern. Der größte Teil der mehr als 100 in Gewahrsam genommenen deutschen Umweltschützer hatte nach Polizei- und BGS-Angaben in Baden- Württemberg demonstriert. Unter den im benachbarten Rheinland-Pfalz in Gewahrsam genommenen sind eine 54-jährige und ihr 28 Jahre alter Sohn. Sie waren in Wörth auf den Atommüllzug geklettert und daraufhin in Handfesseln abgeführt worden. Rund 20 Demonstranten, die sich in Philippsburg auf die Gleise gesetzt hatten und von Polizisten entfernt werden mussten, drohen nun nach Polizeiangaben Geldstrafen in Höhe von jeweils 165 Mark. Davon entfallen jeweils gut 120 Mark auf eine «Wegtragegebühr», die Baden-Württemberg als einziges Bundesland eingeführt hatte. Die französische Umweltministerin Dominique Voynet äußerte Verständnis für die Demonstranten. Die Atomkraftbetreiber hätten keinen Lagerplatz mehr für die Brennstäbe und wollten das Problem mit dem Transport nach Frankreich lösen, sagte sie im französischen Rundfunksender France Inter. Die französischen Grünen kritisierten dagegen, die Bundesregierung wälze das Atomproblem auf das Nachbarland ab.
1998 hatte die damalige CDU/FDP-Bundesregierung die Atommülltransporte
wegen überhöhter Strahlenwerte an den Transportbehältern gestoppt. Paris und
Berlin hatten sich am 31. Januar auf eine Wiederaufnahme der Fuhren geeinigt.
Am 26. März rollte der erste Castortransport von La Hague ins niedersächsische
Zwischenlager Gorleben. Er wurde von massiven Protesten tausender
Atomkraftgegner begleitet.
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