»Nicht für dumm verkaufen

 
Grünen schreiben nach Berlin
by Lüchow. »Warum sagen nicht auch wir Grünen, wir haben mehr gewollt? Wer hat von uns eigentlich verlangt, diesen Vertrag als Erfolg zu verkaufen»? Diese Frage stellt der Lüchow-Dannenberger Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen der Parteispitze in Berlin und fordert Nachverhandlungen beim so genannten Atomkonsens. Ein Konsens, der eine betroffene Partei außen vor lasse, sei kein Konsens, meinen die Vorstandsmitglieder um Sprecherin Martina Lammers.

Die Bevölkerung vor Ort, vertreten durch die Initiativen, gehöre mit an den Verhandlungstisch. Die hiesigen Grünen fordern »eindeutige Zeichen für einen Ausstieg aus der Nutzung der Atomkraft», ohne die sei weder der Bevölkerung noch den Einsatzkräften der Polizei ein erneuter Transport zuzumuten.

Solche Zeichen wären: ein »schneller Ausstieg aus der Wiederaufarbeitung, weil die Akzeptanz hierfür am Geringsten sei»; das Abschalten der ersten Uraltreaktoren noch in dieser Legislaturperiode; die Entwicklung eines verantwortbaren Entsorgungskonzeptes unter Einbeziehung aller relevanten Gruppen; sowie die »eindeutige Aussage, dass Gorleben auf Grund von hinreichenden Studien unabhängiger Wissenschaftler nicht als Endlager und Entsorgungszentrum geeignet ist» und auf eine weitere Erkundung in Gorleben verzichtet werde.

Die hiesigen Grünen wollen nach diesem vierten Castor-Transport und den starken Protesten nicht zur Tagesordnung übergehen und so tun, als würde beim nächsten Transport wieder alles anders. »Unsere Wählerinnen und Wähler lassen sich nicht für dumm verkaufen und wollen uns als die Streitbaren sehen, die sich für ihre Ziele einsetzen», schreibt der Kreisverband an die Grünen-Spitze in Berlin. »Wir wollen nicht weiter als Verräter beschimpft werden, während die SPD phantasievolle Aktionen mit Gewalt gleichsetzt und unsere Bundes- und Landtagsabgeordneten scharf angreift, weil sie sich in Gorleben engagiert haben.

Lammers und ihre Vorstandskolleginnen und -kollegen sind froh über den Einsatz von Grünen aus Berlin und Hannover im Wendland, vor allem Rebecca Harms war »immer da, wo sie vor Ort gebraucht wurde».

Abschließend heißt es in den Brief nach Berlin: »Wir bitten Euch alle um eine Rückkehr zu einem Dialog. Es ist nichts endgültig entschieden.»
(Pressemitteilung der Elbe-Jeetzel-Zeitung)
02.04.2001

 
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