Demo in Gorleben - gelungener Auftakt

 
„Unser Konzept ist voll aufgegangen“ - die Bürgerinitiative Umweltschutz (BI) Lüchow - Dannenberg war zufrieden über einen gelungenen Auftakt zum neuerlichen Anti-Castor-Protest im Wendland. Nach einem Jahr Ruhe sollen in der nächsten Woche 12 Castoren auf einen Schlag aus dem französischen La Hague ins Wendland rollen. „Der Widerstand bröckelt nicht“, das gab es zu demonstrieren und das war eindrucksvoll gelungen. Die Teilnehmerzahl an der Kundgebung übertraf die Erwartungen der Organisatoren. Über 4000 Atomkraftgegner/innen folgten dem Aufruf des Republikanischen Anwaltsvereins (RAV) zu einer Kundgebung an der Endlagerbaustelle in Gorleben. Zu Fuß, mit Kinderwagen und Roller oder mit dem Trecker waren die Wendländer unterwegs, um gegen den Castortransport und seine Begleitumstände zu protestieren.

Eine besondere Note bekam die Veranstaltung über das Motto „Endlagerung der Grundrechte - nein danke!“ - Martin Lemke stellte seitens des RAV klar, dass es angesichts der massiven polizeilichen Präsenz, wegen der Demo-Verbote und wegen der Schikanen von Inhaftierten in der Gefangenensammelstelle an der Zeit ist, dass sich Bürgerrechtsorganisationen des Themas annehmen. Im Wechsel mit dem RAV wird in Zukunft auch die Humanistische Union (HU) als Veranstalter der Auftaktkundgebungen auftreten.

Durch diese gute Zusammenarbeit sei es endlich wieder möglich gewesen, eindrucksvoll zu demonstrieren, dass im Wendland der legendäre lange Atem im Widerstand vorhanden sei, freute sich Wolfgang Ehmke von der Bürgerinitiative. Anlass für die Kritik an der Atompolitik der Bundesregierung gebe es genug: der Streit um die Stilllegung von Obrigheim habe gezeigt, das auch Rot-Grün den Atomausstieg nur auf die lange Bank schiebe. Das gelte auch für die Atommülllagerung, denn das Abstellen der Castoren in einer Halle sei kein Entsorgungsbeitrag. Jeder Castor, der Gorleben erreicht, zementiere darüber hinaus diesen Standort als nukleares Entsorgungszentrum. Aus dem Moratorium auf der Endlagerbaustelle müsse angesichts der schlechten Noten für den Salzstock endlich der Abschied von der „Tropfsteinhöhle“ werden.

„Alles schon gesagt“, meinte Birgit Huneke als BI-Rednerin, ob Kohl und Merkel oder Schröder und Trittin, geändert hätten sich nur die Namen, nicht aber deren Politik. Solidarische Unterstützung bekamen die Wendländer aus dem Ausland: Franzosen aus dem lothringischen Bure, Matti Kojo aus Finnland, Judy Treichel aus den USA und Wladimir Tschuporow aus Moskau bilanzierten, dass es weltweit keine Lösung für die Atommüll- Endlagerung gebe: das sei ein gewichtiger Grund, den Atomausstieg einzufordern.

Die Kundgebung verlief weitgehend störungsfrei. Lediglich permanenter Hubschrauberlärm und langwierige Verkehrskontrollen der Polizei, die verhinderten, dass die Kundgebungsteilnehmer/innen rechtzeitig den Veranstaltungsort erreichten, sorgten für Verstimmung. Satire und Straßentheater einer „Wetten dass nicht...?“- Show rundeten die Veranstaltung ab und gaben einen Vorgeschmack auf die Aktionen der nächsten Tage, wo es mit Happenings und augenzwinkerndem Ernst ernst wird mit der Querstellerei.
(Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.)
10.11.2002

 
[Castor-Info]    [Startseite Luene-Info]