Standortbenennung Gorlebens "25 Jahre und (k)ein bisschen leise!"

 
Ein Vierteljahrhundert Widerstand gegen die atomare Bedrohung und den Ausbau Gorlebens als "nukleares Entsorgungszentrum": ein solches Ereignis wirft sofort die Frage auf, darf gefeiert werden oder ist stilles, besinnliches Gedenken eher angemessen? Argumente gibt es für beide Haltungen und das "Festprogramm" der Bürgerinitiative Umweltschutz (BI) Lüchow-Dannenberg wiederspiegelt diese Widersprüchlichkeit.

Am 22. Februar 1977 benannte ein niedersächsischer CDU-Ministerpräsident Gorleben als Standort für ein "Nukleares Entsorgungszentrum" (NEZ), seitdem ist der Landkreis Lüchow-Dannenberg nicht mehr zur Ruhe gekommen und ist sozialer Ort des Kampfes für den Ausstieg aus der Atomkraft. Daran hat auch die grüne Regierungsbeteiligung auf Bundesebene nichts geändert, denn auch Rot-Grün hält an Gorleben als NEZ fest mit seinem nuklearen Fasslager, dem Brennelementezwischenlager, einer Atommüllverpackungsanlage, genannt Pilot-Konditionierungsanlage (PKA), und der Endlagerbaustelle.

Das Moratorium bei der Endlagererkundung ist in den Augen der Gorleben-Gegner/innen bislang auch nur eine Beruhigungspille für den Widerstand. Wen wundert es, dass zwischen dem 22. und 24. Februar Aktionen und Veranstaltungen immer wieder um den Salzstock Gorleben kreisen, der den Standort viel eher "definiert" als jene 20 Castorbehälter, die inzwischen im Zwischenlager abgestellt wurden.

Los geht es am Freitagabend um 18 Uhr am Trafohäuschen unter dem Motto "Vielfalt ist unsere Stärke". Zum Einsatz kommen Drachen, Maulwürfe, gelbe Tonnen, Trillerpfeifen, Bullizisten und Wasserwerfer.
Um 20 Uhr werden Mahnfeuer der Bäuerlichen Notgemeinschaft am Endlager gezündet, der Abend klingt mit einem Umtrunk im Gasthaus Wiese in Gedelitz aus.

Samstagnachmittag ab 16 Uhr diskutieren die Geologen Jürgen Kreusch, Prof. Klaus Duphorn und der Anwalt Nikolaus Piontek im Café Grenzbereiche in Platenlaase. Kreusch und Duphorn sind Mitglied im Arbeitskreis Endlagerung des Bundesumweltministers.
"Endlagersuche -quo vadis?" fragt als Moderator BI-Sprecher Wolfgang Ehmke, denn für die Sorge, dass die Endlagersuche nicht ergebnisoffen verläuft, sondern dass die Gorlebenkarte wieder untergemischt wird, gibt es mehr als Indizien.

Die Jubiläumsfeier findet dann ab 20 Uhr in Breselenz im Gasthof Lühr statt, und zwar drinnen und draußen mit einer Ausstellung im Feuerwehrhaus, einer Festrede des ehemaligen Korrespondenten der Frankfurter Rundschau und des heutigen Herausgebers der Politmagazins Ossietzky, Eckart Spoo, Tombola, Samba und Disco.

Die Perspektiven des Widerstands werden am Sonntagvormittag in den Trebler Bauerstuben ab 11 Uhr debattiert. Unter der Regie von Heinz Laing (Greenpeace) kommen der erste Vorsitzende der Gesellschaft für Reaktorsicherheit Lothar Hahn, der Berliner Energieexperte Dr. Lutz Metz, die Journalisten Jürgen Voges (tageszeitung) und Thomas Maron (FR) zu Wort.

Ist das Thema Atomausstieg out, abgehakt? Ist die Luft beim Widerstand raus? Gibt es eine neue, veränderte Rolle oder neue Perspektiven für den außerparlamentarischen Protest? Wie kann der Tendenz entgegengewirkt werden, dass "Gorleben" zum "regionalen Problem" (Bundeskanzler Gerhard Schröder) herabgestuft wird? - Eine Fülle von Fragen will beanwortet werden, und die Frühstücksgäste sind herzlich eingeladen, mitzudiskutieren.
(Pressemitteilung der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg)
19.02.2002

 
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