September 2004

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Eine Ausstellung fürs Herz

Ausstellungseröffnung "Die Märchenwelt des Eugen Weidenbaum"
im Ostpreußischen Landesmuseum
"Die Märchenwelt des Eugen Weidenbaum öffnet Herzen und schärft die Sinne". So beschrieb Dr. Ronny Kabus, Museumsdirektor des Ostpreußischen Landesmuseums die neue Ausstellung des Hauses, die am 17. September 2004 eröffnet wurde.
Nymphen und Trolle bevölkern seine Waldbilder, Hasen und Kröten feiern Feste oder singen im Chor: Ganz tief tauchte der Grafiker Eugen Weidenbaum (1908-1983) in seine Fantasiewelt ein und entwarf Szenen voller Leben.

Seine Bilder erzählen eigene Geschichten, mal traurige, meist aber fröhliche, in denen kleine Waldbewohner menschliche Züge erhalten und in einer geselligen Gemeinschaft leben. Die ausdrucksstarken Bilder, mit schnellem Strich auf das Papier gebracht, zeigen Gefühle und Gedanken der Tiere, wirken dadurch unmittelbar und ziehen den Betrachter mit.
Der Champion, aquarellierte Zeichnung
Der Champion, aquarellierte Zeichnung
Der gesamte künstlerische Nachlass Weidenbaums beträgt mehr als 1000 Blatt. Er besteht vor allem aus illustrativer Graphik, Landschaftsaquarellen und vielen Entwürfen für Märchenbilder. Im Ostpreußischen Landesmuseum wird ein Querschnitt seines Werkes nun erstmalig in einer Ausstellung gezeigt.

Im Vorfeld dieser Ausstellung gab es im Sommer ein Museumspädagogisches Programm, bei dem Kinder selber Märchenbücher und bunte Masken hergestellt haben, die auch in der Ausstellung zu sehen sind.

Vom Papierschöpfen, Wissenswertes über das Märchen, bis hin zum vollendeten Werk, das Schreiben und Illustrieren eines Märchenbuches, war alles dabei. Hier hat sich mal wieder der außerschulische Lern-Ort Museum bewährt, was man an den Werken und den zahlreichen Kindern unter den Besuchern ablesen konnte.

Der Ausstellungsautor Dr. Jörn Barfod führte in die Ausstellung ein und vermittelte den Besuchern ein Bild des Künstlers, dessen Lebensweg nicht immer einfach war:
Weidenbaum begeisterte nicht nur die Märchenwelt, auch Alltagsgeschehen und menschliche Schwächen hat er aufs Korn genommen.
Einen großen Platz in seinem Werk nimmt die genaue Beobachtung der Gesellschaft ein. Sein feiner Strich und eine scharfe Beobachtungsgabe finden sich nicht nur in gezeichneten Kommentaren zu zwischenmenschlichen Zwistigkeiten, sondern durchgehend in allen Grafiken wieder.

Weidenbaum zeigt Charaktere, Menschen auf der Straße, beim Schachspiel oder in der Natur. Dabei thematisiert er nicht nur die glücklichen Momente des Lebens. Aus eigener Erfahrung kennt er Vertreibung und Krieg und hält diese Eindrücke in vielen Zeichnungen und Skizzen fest.
Maler und Modell,aquarellierte Zeichnung
Maler und Modell, aquarellierte Zeichnung
Eugen Weidenbaum wurde am 20.4.1908 in Riga als Sohn eines Juristen aus deutschbaltischer Familie geboren. Nach der Schulzeit in Pommern und Unterricht an der Stettiner Kunst- und Gewerbeschule 1925-28 nahm Weidenbaum in Riga Malunterricht, arbeitete am Theater und zeichnete für die deutsche Zeitung. Seine Neigungen lagen zeitlebens zwischen Schauspielkunst und Malerei.
Der Ausstellungsautor Dr. Jörn Barfod
Ausstellungsautor Dr. Jörn Barfod
1934 ging er an die Königsberger Kunstakademie. Er wandte sich der angewandten Graphik bei Franz Marten zu und wurde 1937 dessen Meisterschüler.

Er arbeitete als Gebrauchsgraphiker und Maler. 1939 bis 1944 war er Soldat.

Nach einer schweren Verwundung durch ein Sprenggeschoss, das seinen rechten Arm nachhaltig schädigte, wurde er aus der Wehrmacht entlassen.
Die Flucht aus Königsberg führte ihn Anfang 1945 zunächst nach Lübeck, wo er wiederum als Werbegraphiker Arbeit fand. In den 1950er Jahren zog er nach Bielefeld. Dort arbeitete er als Buchillustrator, Zeichner für Zeitungen und Zeitschriften und leitete eine Laienschauspielgruppe. Er starb 1983.
Dr. Ronny Kabus bedankte sich insbesondere bei Frau Weidenbaum für die Schenkung an das Museum. In den Bildern ist ein tiefer Zug freundlicher Menschlichkeit zu finden, zu dem nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene Zugang finden können.

Die "Weidenbaumausstellung" würde gut in die geplante deutsch-baltische Abteilung des Museums passen und so nicht nur zeitweilig, sondern dauerhaft Herzen öffnen und die Sinne schärfen können.
 (hr - 17.09.2004)
Weidenbaums Bilder öffnen große und kleine Herzen
Weidenbaums Bilder öffnen
große und kleine Herzen
 


Die Ausstellung ist vom 18. September 2004 bis 30. Januar 2005
im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg

Ritterstr. 10, 21335 Lüneburg
zu sehen

Begleitend wird ein Museumspädagogisches Programm angeboten.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag
von 10.00 bis 17.00 Uhr


Weitere Informationen:
www.ostpreussisches-landesmuseum.de



 
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