"Frühe Ansichten Ost-und Westpreußens im Steindruck"
|
|
Dr. Ronny Kabus dankte in seiner Einführungsrede dem Partnermuseum, dem Westpreußischen Landesmuseum, für die Leihgaben dieser zweiten Ausstellung anläßlich des 300. Jahrestag der Krönung des ersten Königs von Preußen in Königsberg.
Der Druck des Ausstellungskataloges von Rudolf Meyer-Bremen und Dr. Jörn Barfod wurde von der Stiftung Ostpreußen unterstützt. "Mit den Mitteln der künstlerischen Begabung war diese Druckkunst nicht nur ein Quell der Freude, sondern auch ein Quell der Erkenntnis, sich mit Vergangenem vertraut zu machen". |
![]() Dr. Ronny Kabus, Museumsdirektor im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg |
Die Technik des Steindrucks hat viele Künstler über das Mittel der "Druckgraphik" erst einem größeren Publikum bekannt gemacht", erläuterte Dr. Kabus die Dimension dieser neuen Art der Darstellung und für die damalige Zeit hervorragenden Vervielfältigungsmethode. | |
![]() Reiberpresse nach Senefelder |
Die von Alois Senefelder 1799 in München erfundene Vervielfältigungsmethode, der Steindruck, sprengte alle bis dahin bekannten Techniken, Abbildungen rationell und kostengünstig herzustellen.
Die "Lithographie" ( griech. lithos = Stein, graphein = schreiben) ist ein Flachdruckverfahren, bei dem das Druckbild weder erhaben, noch vertieft ist, sondern auf dem glatten, ebenen Stein dadurch erzeugt wird, indem er nach einer Vorbehandlung nur an den beschriebenen, gezeichneten, bearbeiteten Stellen Farbe annimmt und an den unbeschriebenen, leeren Stellen Farbe abstößt.
|
|
Auf dem glattgeschliffenen und entsäuerten Stein wird die Zeichnung mit Fettfarbe mittels Feder, Pinsel oder mit Fettkreide aufgebracht.
Die Fettfarbe verbindet sich mit dem kohlesauren Kalk des Steins zu fettsaurem Kalk, der fettanziehend und wasserabstoßend ist. Zeichnungsfreie Stellen werden mit verdünnter Salpetersäure und "Gummi arabicum" wasseraufnahmefähig und fettabstoßend gemacht.
Diese Art der Herstellung einer "Druckzeichnung" geht schneller als die Gravur einer Kupferplatte und hat dazu den Vorteil, dass es keine Oberflächenabnutzung gibt und viel mehr Abdrucke möglich sind. |
![]() Weiterentwickelte Reiberpresse |
| Die Schönheiten Ost- und Westpreußens im Steindruck festhalten | |
| Bis um 1800 ist vom Aussehen der Gegenden des Landes kaum etwas überliefert. Ortsansichten von Städten sind zwar vorhanden, jedoch teilweise nur im Zusammenhang mit historischen Ereignissen, kriegerischen Vorgängen wie Schlachten oder Darstellungen besonderer Architektur.
Das Interesse für Naturlandschaften entsteht erst im Laufe des 18. Jahrhunderts, später in Ostpreußen nach den Befreiungskriegen (Napoleonische Kriege) zur Zeit des frühen "Fremdenverkehrs". | |
![]() Dr. Jörn Barfod, Kunsthistoriker im Ostpreußischen Landesmuseum |
Die besonders beim Steindruck entstehenden weicheren Konturen (gegenüber dem gestochen scharfen Kupferstich) trugen warscheinlich auch dazu bei, durch den "romantischen Zauber" der Abbildungen viele Menschen in diese Gegenden zu ziehen.
Der Kunsthistoriker des Ostpreußischen Landesmuseums, Dr. Jörn Barfod, Mitautor des Begleitbuches zur Ausstellung unterteilt die 51, teilweise nachkolorierten Druckmotive in drei Kategorien: |
| Stadtansichten Teilansichten von Bauten, Plätzen, gemischt mit Alltagsszenerien, wie Sonntagsausflüge der Familien, mit denen sich die Betrachter identifizieren konnten, z.B. Friedrich Heinrich Bills (1801-1853) |
![]() Rathaus in Heilsberg, Lithographie von Schoenke/Bils, Königsberg, um 1830 |
![]() Nach der Natur und auf Stein gezeichnet von C.L. Rundt, 1829 |
Berühmte Bauwerke Wie die Marienburg als "Entdeckung" eines nationalen Denkmals, detailierte Ausschnitte von Gebäuden, auch hier die romantische Wiedergabe von Alltagsszenen, z.B. Carl Ludwig Rundt (1801-1868) |
| Landschaftsdarstellungen Ursprünglich großformatige Darstellung besonders schöner Landstriche Ostpreußens, z.B. die Danziger Umgebung von C:G:Ludwig um 1825,... |
![]() Ansicht des Klosters "Oliva", aus dem Freudenthal, nach der Natur gezeichnet von C.G. Ludwig |
|
"Das Beispiel der Darstellung eines Denkmals, die Darstellung des Königsberger Doms oder der Landschaft Ostpreußens dokumentieren einen hohen Realitätsgrad. Es handelt sich um die exaktesten frühesten Landesaufnahmen, die wir von Ostpreußen haben," kommentierte Dr. Barfod.
Der Bestand der Gemälde der Romantik und des Biedermeiers, die den eigentlichen Ursprung der Druckgraphik bildeten, blieb aufgrund ungünstiger wirtschaftlicher Voraussetzungen eher klein, während die Popularisierung der Maler durch die neue Möglichkeit der Reproduktion zunahm.
Preußische Seebäder in Reiseführern
1816 wird Cranz das erste preußische Seebad. In dieser Zeit des beginnenden Fremdenverkehrs entstehen auch die ersten Reiseführer, wie der "Wegweiser" von Gotthilf August von Malitz "in die schönsten Gegenden und auffallensten Partien des preußischen Ostseestrandes zwischen Cranz und Pillau (Königsberg 1818). Auch "die samländische Küste und ihre Umgebungen", Königsberg (1826) von Karl Emil Gebauer, auch Robert Bürkner und der Wegweiser "Wanderungen durch das Samland" (Königsberg 1844) wurde den damaligen Reisenden nahe gebracht. Rudolf Meyer-Bremen, Autor des Buches zur Ausstellung bezeichnet sich selbst als akribischen Sammler von Informationen über die Künstler der frühen Ansichten von Ost-und Westpreußen. Durch seine aus Ostpreußen stammende Familie inspiriert, befasste er sich auch mit den Staatlichen Kunstausbildungsstätten in Königsberg (gegr. 1790) und Danzig (gegr. 1804), in deren Graphiken sich die künstlerische Entwicklung in diesen preußischen Provinzen widerspiegelt. Für Meyer-Bremen wurden die Möglichkeiten des Steindruckes aber nicht nur in der Kunst erkannt. "Die Lithographie erwies auch bei der Herstellung und Vervielfältigung von Notenblättern und Formblättern für die preußische Verwaltung vorzügliche Dienste!"
| |
| Panorama - Besucher einer Ausstellung | |
![]() | |
| Buch zur Ausstellung:
Frühe Ansichten Ost- und Westpreußens im Steindruck. Rudolf Meyer-Bremen, Jörn Barfod Husum 2001. 144 S., ca. 85 Abb. 19,80 DM ISBN 3-88042-979-0 |
Museumspädagogisches Begleitprogramm zur Ausstellung: |
| Die Ausstellung läuft vom 03. März bis 24. Juni 2001 im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg Öffnungszeiten: | |