Heinz Sielmann Ein Leben für die Natur Ausstellungseröffnung im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg
 

Prof. Heinz Sielmann erzählt zur Ausstellungseröffnung
von seinem bewegtem Leben

Heinz Sielmann hat 1956 als erster angefangen im Fernsehen Tiere zu zeigen. In seiner Rede erzählte er wie es mit seinem "Leben für die Natur" begonnen hat. "Wenn ich das seltene Glück hatte, ein Leben lang in der Natur tätig zu sein, um das Verhalten der Tiere im Film zu dokumentieren, so verdanke ich dies in erster Linie meiner ostpreußischen Heimat."

"Dort gibt es intakte Wälder und Seen, himmelweite menschenleere Bruch- und Moorlandschaften, die Ostsee mit der Bernstein-Küste, dem samländischen Gold und die Kurische Nehrung, die weltberühmte ...Vogelwarte Rossitten." (Die ältestete Vogelwarte der Welt, Rossitten (heute Rybatschij) , die 1901 von Prof. Johannes Thienemann gegründet wurde, liegt nördlich von Königsberg an der Kurischen Nehrung und feiert morgen ihr 100-jähriges Bestehen).

Sielmann genoß es mit seinem aus Mazuren stammenden Vater in den naturnahen, artenreichen Landschaften unterwegs zu sein. Zur dieser Zeit wurde die Albertus-Universität von Königsberg zur Wiege einer neuen Wissenschaft, der "Vergleichenden Verhaltensforschung".

Prof. Dr. Otto Koehler und Prof. Konrad Lorenz hielten Vorlesungen in Königsberg. Damals wurden Aktionen der Tiere vorwiegend aus menschlicher Sicht gedeutet. Die o.g. Dozenten empfahlen "getarnte Verstecke", von denen aus man Tiere auf kürzeste Entfernung beobachten konnte, um sie somit auch mit der Fotokamera zu dokumentieren.

Prof. Heinz Sielmann
Prof. Heinz Sielmann zur Ausstellungseröffnung im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg

Schon als Schuljunge fing Sielmann an, seine Leidenschaft für schnepfenartige Wiesenvögel auf den Haffwiesen zu entwickeln. Da diese "Vogelbeobachtungen" scheinbar Sielmanns schulische Leistungen beeinträchtigten, verfolgte sein Vater diese Passion mit Sorge.

Sielmanns Mutter, eine französische Schweizerin (eine Verbündete), schenkte ihm allerdings einen Fotoapparat (mit einem Teleobjektiv, das heute noch eines der besten ist).

"Prof. Koehler war von den Ergebnissen meiner Beobachtungen und den Fotodokumenten derart beeindruckt, dass er mich einlud, vor der Gesellschaft der Freunde des Zoologischen Museums über meine Entdeckungen auf den Haffwiesen zu berichten.

Daraufhin stand im Königsberger Tageblatt am 23 November 1937: " Kamera entschleiert Familiengeheimnisse: den Vortrag hielt ein junger Vogelforscher, der wie Prof. Koehler sagte, so jung sei, dass er fast ein erstes Semester für verkalkt halten könne. Er erntet reichen Beifall.""

In Rossitten erlebte Sielmann seine Ferien und hatte dort "die Ehre", über seine Beobachtungen an Schnepfenvöglen zu referieren und dabei Wissenschaftler kennenzulernen, die seine berufliche Laufbahn entscheidend beeinflußten.
Hierbei lernte er z.B. den "Liebhaberornithologen" Walter von Sanden und seine Frau Edith von Sanden (eine begabte Bildhauerin) kennen und somit auch die herrliche Idylle von "Gut Guya".

Sielmanns Wunsch Zoologie zu studieren bezeichnetet sein Vater als "brotlose Kunst". Keiner wusste, dass es bald das Fernsehen geben würde. Da Heinz Sielmann trotz intensiver "Beobachtungen" sein Abitur schaffte, schenkte ihm sein Vater eine sehr gute Filmkamera.

Sielmanns erster Film" Vögel über Haff und Wiesen" (Sielmann wurde für "Beobachtungen" durch Fürsprache des Zoologischen Institus für drei Monate vom Arbeitsdienst befreit) wurde in der Aula in Königsberg gezeigt, und kam so gut an, daß er zum letzten großen Ornithologenkongress vor dem Krieg nach Berlin eingeladen wurde. "Ab diesem Zeitpunkt war es vor allem Prof. Erwin Stresemann, der mich künftig unter seine Fittiche nahm. Er schaffte es, dass ich im Krieg auf die Mittelmeerinsel Kreta versetzt wurde, um dort einen Film- und Forschunsauftrag durchzuführen. "

Nach dem Krieg brachten die Engländer Sielmann nach London und beschafften ihm eine Anstellung beim Institut für Film und Bild in Hamburg. Kurze Zeit später ging Heinz Sielmann mit seiner Frau Inge zum ersten Nachkriegsinstitut von Prof. Konrad Lorenz nach Buldern, wo er hauptberuflich mit der Produktion von Filmen über die Verhaltensweisen von Tieren begann.

In Buldern entstanden z.B. die Filme "Konzert am Tümpel", "Zimmerleute des Waldes", "Im Hamsterrevier", Die Iltiskoppel", "Was Tiere können und was sie lernen müssen" und "Von angeborenem und geprägtem Verhalten". Vier Filme wurden mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet. Die neuartigen Tierfilme weckten das Interesse von BBC, der National Geographic Society in Washington und des Deutschen Fernsehens.

Heinz Sielmann konnte nun "in freier Zusammenarbeit" die "Expeditionen ins Tierreich" in eigener Produktion für Schule, Forschung und Fernsehen gestalten.
Außerdem entstanden Kinoproduktionen wie z.B. "Lockende Wildnis", Galapagos - Trauminseln im Pazifik", u.a.

Prof. Heinz Sielmann beendete nach mehr als 150 Sendungen für den NDR in den 90er Jahren die "Expeditionen ins Tierreich", um Bilanz zu ziehen: "In der Spanne meines Lebens hat sich die Erdbevölkerung fast verdreifacht, das Ozonlich, die wachsende Treibhausschicht, das Walssterben, die Beeinträchtigungen der Trinkwasserqualität und Verunreinigungen der Meere zeigen, dass wir uns in unserer Maßlosigkeit einschränken müssen. Die roten Listen der gefährdeten Arten wachsen immer weiter...Dagegen müssen wir etwas tun."

1994 gründeten Heinz und Inge Sielmann die "Heinz Sielmann Stiftung". Auf dem Gut Herbigshagen bei Duderstadt verfolgt die Stiftung die Ziele:
"Kinder und Jugendliche an einen positiven Umgang mit der Natur heranzuführen"
"Letzte Refugien" erhalten und
"das Heinz Sielmann-Archiv des Tier- und Naturfilms aufzubauen" Link zur Stifung...!!

www.sielmann-stiftung.de

Der heute gelebte Materialismus bedeutet, daß je mehr wir haben, desto mehr wollen wir. Aber die Natur wird sich dagegen wehren...Das Motto sollte lauten: "Leben und leben lassen und die Schönheit der Natur genießen. Die Erde wird das Übermaß an Nutzung verkraften... die Menschen auch...? Sielmann sieht die Chance insbesondere bei jungen Menschen:

"Die Jugendlichen sind die Naturschützer von morgen. Nichts haftet mehr als Erkennen durch Erleben in freier Natur" Sielmanns positive Lebensphilosophie: "Mit Begeisterung Natur erleben!"

 
08.06.2001
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