Januar 2004

Aktuelles aus Lüneburg   

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Es tut sich was in Lüneburg...

Erste kulturelle Kooperation des Ostpreußischen Landesmuseum und der
Lüneburger Stadtarchäologie mit der Ausstellung
"Lüneburg in Niedersachsen und Dorpat/Tartu in Estland"
Am Freitag den 16.01.2004 eröffnete Dr. Ronny Kabus, Museumsdirektor im Ostpreußischen Landesmuseum die erste Wechselausstellung 2004 des Museums. Erstmals werden in einer kleinen Ausstellung archäologische Funde aus dem 14. bis 18. Jahrhundert der Städte Tartu und Lüneburg, die seit 10 Jahren Partnerstädte sind, gezeigt. Lüneburg und Tartu/Dorpat waren durch die Hanse miteinander verbunden. Neben Riga und Reval war Dorpat eine der wichtigsten Hansestädte dieser Region.
Museumsdirektor Dr. Ronny Kabus (li) und Stadtarchäologe Dr. Edgar Ring (re)
Museumsdirektor Dr. Ronny Kabus (li) und Stadtarchäologe Dr. Edgar Ring (re)
Die Ausstellung "Lüneburg in Niedersachsen und Dorpat/Tartu in Estland - Kulturgeschichtliche Entdeckungen zweier Partnerstädte" ist zwar nicht die erste Baltikum-Ausstellung im Ostpreußischen Landesmuseum, aber die erste in Kooperation mit Lüneburg und dem Museum Tartu.

Beteiligt an dieser Ausstellung sind neben dem Ostpreußischen Landesmusem, der Lüneburger Stadtarchäologie und dem Stadtmuseum Tartu, insbesondere die Carl-Schirren-Gesellschaft, das Baltisches Kulturwerk und schließlich auch das Museum für das Fürstentum Lüneburg.

Der Lüneburger Stadtarchäologe Dr. Edgar Ring, der maßgeblich bei der Gestaltung der Ausstellung beteiligt war, stellte die Ausstellungsinhalte vor:
"Bauen und Wohnen in Lüneburg und in Tartu"
"Tartu und Lüneburg als Handelsstädte" und
"die Entwicklung von Stadtarchäologie in Lüneburg und Tartu"
Die Ausstellung präsentiert viele interessante historische Gemeinsamkeiten der beiden Partnerstädte, vermittelt aber auch Unterschiede.
Tafel: Bauen und Wohnen in Tartu
Tafel: Bauen und Wohnen in Tartu
Dr. Edgar Ring machte insbesondere auf die Arbeit der Stadtarchäologie aufmerksam: 1802, mit Wiedereröffnung der Universität, begann die Erforschung der Stadt Tartu. Zwei Jahre nach Gründung der Republik Estland (1918) wurde ein Lehrstuhl für Archäologie eingerichtet.

Durch den Zweiten Weltkrieg und die Besetzung des Gebietes durch die Sowjetunion unterbrach die Erforschung der Stadt und führte 1950 auch zur Schließung des Lehrstuhls für Archäologie. 1966 wurden die ersten archäologischen Maßnahmen in der Stadt wieder aufgenommen.

Durch den moorigen Untergrund blieben in Tartu/Dorpat viele Objekte vergangener Zeiten sehr gut erhalten Eine neue Ära wurde schließlich Ende der 70iger Jahre mit dem "Gesetz zum Schutz kulturellen Denkmals" eingeleitet. Seit 1985 wurden in der Stadt 17.000 qm archäologisch erfasst. Dies entspricht 4 % des Areals innerhalb der alten Stadtmauern der Stadt Tartu.

Durch den moorigen Untergrund der estnischen Stadt, wurden in Gruben gut erhaltende Objekte wie Keramik Glas u.v.m gefunden. Die wichtige Aufgabe der Stadtarchäologie ist die Verarbeitung und die Publikation des gefunden Materials.

 
In Lüneburg fand 1991 eine große Grabung auf dem Karstadt-Gelände am Marktplatz statt. Seit 1993 gibt es in Lüneburg eine "offizielle Stadtarchäologie", durch die Einstellung des Stadtarchäologen Dr. Egar Ring.
Seitdem wurden 60 Kloaken durch die Stadtarchäologie in Lüneburg erforscht. Die Lüneburger Kloaken brachten ähnlich gut erhaltene Objekte wie in Tartu in gewaltiger Menge hervor.

Insbesondere Objekte wie Glas, Steinzeugkannen, Ofenkacheln und Ähnliches aus der Zeit der Hanse zeugen von einem sehr ähnlichen gemeinsamen Kulturkreis der beiden Partnerstädte. Während der Zeit der Hanse wurde beispielsweise Glas aus Böhmen sowohl in Lüneburg als auch in Tartu verwendet.
Präsentiert werden in der Ausstellung auch Objekte, die den Handel von Lüneburg nach Tartu dokumentieren.

Präsentiert werden in der Ausstellung auch Objekte, die den Handel von Lüneburg nach Tartu dokumentieren
Terrakotta-Plastik der Johanniskirche,
14. Jh., Dorpat, Fundort: Tartu
Terrakotta-Plastik der Johanniskirche, 14. Jh., Dorpat, Fundort: Tartu
Dr. Ronny Kabus erinnerte bei der Ausstellungseröffnung, dass es nicht nur während der Hanse erhebliche Gemeinsamkeiten der beiden Kulturkreise gab.
Die beiden Partnerstädte Lüneburg und Tartu verbindet auch das Ziel, das seit 10 Jahren mit Eifer und Geduld verfolgt wird: Die Erweiterung des Ostpreußischen Landesmuseums inklusive einer Deutsch-Baltischen Abteilung.

Diese neue Abteilung soll der Pflege der über 700 Jahre währenden Geschichte und Kultur der Deutschen im Baltikum dienen, worunter man im historischen Sinne jene Gebiete versteht, die heute Estland und Lettland sind.

Einen kleinen Einblick in die wechselvolle Geschichte des Baltikums kann man jetzt schon in der Ausstellung "Schatzkammer Baltikum" im Ostpreußischen Landesmuseum nehmen.

Eventuell kommt es in absehbarer Zeit zur Verwirklichung der Pläne der Museumserweiterung. Das gegenüberliegende Gebäude, das zur Zeit noch die Landeszentralbank beherbergt, scheint sowohl von den Räumlichkeiten als auch von der Finanzierbarkeit her ideal zu sein.
Dr. Ronny Kabus ist fest davon überzeugt , das sich bei der Museumserweiterung durch das Gebäude gewisse Träume verwirklichen lassen. Tatsächlich birgt dieses Gebäude einige, nicht nur finanzielle, Vorteile. Beispielsweise ist die Art der Sicherung durch die Nutzung der Bank schon vorhanden, so dass gewisse Umbaumaßnahmen nicht nötig sind.

Geplant sind neben einer Deutsch-Baltischen Abteilung mit Dauer- und Wechselausstellungen zum Baltikum und zur Städtepartnerschaft, z.B. auch die Errichtung eines Kindermuseums und adäquate Veranstaltungsräume.

Bürgermeisterin Birthe Schellmann wünschte bei der Ausstellungseröffnung, das dieses Vorhaben in Erfüllung geht. Frau Schellmann war 2002 das erste Mal in Dorpat und stellte bei einem Museumsbesuch fest, wie ähnlich die Kulturräume und die geschichtlichen Gemeinsamkeiten der beiden Städte sind.

Einige der  zahlreichen Besucher und Besucherinnen der Ausstellungseröffnung
Einige der zahlreichen Besucher und Besucherinnen der Ausstellungseröffnung
Museumsdirektor Dr. Ronny Kabus und Stadtarchäologe Dr. Edgar Ring freuten sich sehr über die gelungene Kooperation zwischen Lüneburg und Tartu/Dorpat. Insbesondere die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Lüneburger Einrichtungen wird auch in Zukunft weitergeführt werden. Schon im Mai 2004 wird im Ostpreußischen Landesmuseum eine Ausstellung mit der AG Tonpfeifen und der Lüneburger Stadtarchäologie mit dem Titel "Tabak und Tonpfeifen im südlichen Ostseeraum" präsentiert.
(hr - 17.01.2004)


Die Ausstellung ist vom 17. Januar bis 07. März 2004
im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg

Ritterstr. 10, 21335 Lüneburg
zu sehen

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag
von 10.00 bis 17.00 Uhr


Weitere Informationen:
www.ostpreussisches-landesmuseum.de



 
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