Kunst aus dem Deutschordensland Preußen
Ausstellung mit dem Diözesanmuseum Pelplin/Polen
im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg
vom 03. Februar bis 27. Mai 2001

Dr. Ronny Kabus bezog sich in seinen Anmerkungen zur Ausstellungseröffnung auch auf das vorherrschende mangelnde "Geschichtsbewußtsein" in der Bevölkerung, auf ein "Geschichtsbild", das heute überwiegend durch die Medien mitbestimmt wird.

In dieser Gemeinschaftsausstellung zusammen mit dem polnischen Diözesanmuseum Peplin (60 km südl. von Danzig und Sitz des Bischofs), wird im Landesmuseum ein Teil der Geschichte des Deutschordensland Preußen mit besonders schönen, zumeist "sakralen" Kunstgegenständen plastisch verdeutlicht.

Dr. Ronny Kabus, Museumsdirektor des Ostpreußischen Landesmuseums Lüneburg
Dr. Ronny Kabus, Museumsdirektor des Ostpreußischen Landesmuseums Lüneburg

Der christl. Ritterorden, der "Deutsche Orden", wurde 1190 in Akkon (Palästina) gegründet. Der Orden wurde im frühen 13. Jahrhundert von dem polnischen Herzog Konrad von Masowien gegen den heidnischen Stamm der Prußen ("Teufelskinder") nach Preußen berufen.
Gäste der Ausstellungseröffnung
Gäste der Ausstellungseröffnung
Nach dem Sieg der weißen Ritter mit dem schwarzen Kreuz gegen die Prußen und dann gegen die Litauer kam es nach der Vereinigung mit dem Schwertbrüderorden in Livland anfang des 14. Jahrhunderts zur Errichtung des geistl. Ordensstaates (Ordenssitz, die Marienburg), bis er 1525 in ein evangelisches Herzogtum umgewandelt wurde.
Mit dem Namen der besiegten Heiden entwickelte sich das Deutschordensland Preußen zu einem der mächtigsten Staaten Mitteleuropas. Später bietet das Herzogtum Preußen dem Brandenburgischen Kurfürst Friedrich III die Möglichkeit, sich in Königsberg als Friedrich I mit eigener Hand die Krone aufs Haupt zu setzen.
Schreinmadonna aus dem Hochaltar der Kirche St. Marien zu Elbing, um 1400
Schreinmadonna aus dem Hochaltar der Kirche St. Marien zu Elbing, um 1390
Dr. Ronny Kabus erwähnte auch, dass die historischen Zusammenhänge in dieser Sonderausstellung sehr knapp gehalten sind, doch durch die komplexe Dauerausstellung im Ostpreußischen Landesmuseum erhalten die BesucherInnen ein umfassendes Gesamtbild ostpreußischer Geschichte.

"Ein besonders schönes Stück der Gemeinschaftsausstellung ist die Schreinmadonna aus dem Hochaltar der St. Marienkirche in Elbing um 1400. Die 1,32 m ist die größte und die einzige mit einem lächelnden und frohgemuten Gesicht. Für die Präsentationsmöglichkeit dieser außergewöhnlichen, realistischen statt mystischen Schreinmadonna sind wir der EK in Berlin sehr dankbar," betonte Kabus.

Der Dechant der katholischen Pfarrgemeinde St. Marien in Lüneburg, Dr. Werner Kroh zu der Ausstellung: "Sie führt uns in eine Zeit zurück, in der Politik und Christentum in einem engen Zusammenhang standen.

Diese Kunst drückt für den Menschen etwas aus, was die "verschütteten" Sinne zur Transzendenz und das Verständnis der Menschen in Polen und Deutschland wieder erwecken kann."
Sie fördert das Bewußtsein für die gemeinsame Geschichte Deutschlands und Polens.

Dr. Werner Kroh, Dechant der Katholische Pfarrgemeinde St. Marien Lüneburg
Dr. Werner Kroh, Dechant der Katholische Pfarrgemeinde St. Marien Lüneburg
Dr. Jürgen Martens, Ministerialrat beim Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien, Berlin, griff den Gedanken der Verständigung auf, - für die vielfältigen Möglichkeiten, die bei uns liegen - in der Kooperation zwischen Polen und Deutschland.
Dr. Jürgen Martens, Ministerialrat beim Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien, Berlin
Dr. Jürgen Martens, Ministerialrat beim Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien, Berlin

Der Titel des Begleitbandes zur Ausstellung "Quis ut Deus" = "wer/was (ist) wie Gott", zeigt seiner Meinung nach das Verhältnis der Menschen zu Gott, welches in ihren Plastiken und Malereien zum Ausdruck kommt.

"Durch eine "Grenzen überschreitende" Gemeinschaftsausstellung wird der Kontakt zu Menschen hergestellt, wird "Spuren" nachgegangen, die nicht mehr da sind. Dieser "Völkerverbindende Gedanke" zeigt sich besonders in der praktischen Museumsarbeit," folgerte Dr. Martens.

Der Etat des Ostpreußischen Landesmuseums wird zu 3/4 vom Bund und zu 1/4 vom Niedersächsischen Wissenschaftsministerium gefördert.

Kunstschätze und Alte Musik

Eine besondere musikalische Umrahmung erhielt der polnische Ehrengast, Dr.Roman Ciecholewski, der Direktor des Diözeanmuseums Peplin in Polen, der vormaligen preußischen Provinz Westpreußen.

Die "Historische Bläsergruppe des Hamburger Konservatoriums" erfreute die Anwesenden mit alten Kostümen und authentischen Instrumenten durch Musikstücke aus dem 14. Jahrhundert.

Tuba gallicalis (anonym), Doctorum pricipem (Johannes Ciconia), Molendinum (Pièrre des Molins) und Alleluya (Guillaume Dufay).

Historische Bläsergruppe des Hamburger Konservatoriums
Historische Bläsergruppe des Hamburger Konservatoriums
Dr. Ciecholewski erläuterte die im Diözesanmuseum vorhandenen Kunstgegenstände und die Geschichte des Museums. Das 1928 von Bischof Stanislaw Wojciech Okoniewski gegründete Museum befindet sich seit 1988 in einem ausschließlich für Ausstellungszwecke errichteten Neubau. In einer Dauerausstellung bildet die mittelalterliche Kunst einen musealen Sammlungsschwerpunkt.
Dr.Roman Ciecholewski, der Direktor des Diözeanmuseums Peplin in Polen
Dr.Roman Ciecholewski, der Direktor des Diözeanmuseums Peplin in Polen
Bei den Plastiken bilden neben mystischen Kruzifixen auch eine Gruppe von Plastiken mit formalen Kennzeichen sogenannter Löwenmadonnen"(Löwensockel als Zeichen von Stärke) und die mit dem Deutschen Orden verbundene Schreinmadonnen aus Klonowken (14./15. Jahrhundert).

An der Wende des 14. Zum 15. Jahrhundert entwickelte sich nördlich der Alpen der "Schöne oder Weiche Stil" bei Madonnen oder auch Heiligenfiguren. Bei den Löwenmadonnen war das Kennzeichen ihr Lächeln!

In der Malkunst unterschied sich das hohe künstlerische Niveau der pomerellischen Malerei aus dem 14./15. Jh.nicht vom Niveau anderer Regionen Mitteleuropas. Im Pepliner Museum gibt es keine Gemälde aus der Renaissance, jedoch barocke Werke größerer Maler Pomerellens aus dem 17.Jh.
Beim größten Teil der Goldschmiedekunst (14.-18. Jh.) handelt es sich um Monstranzen, Kelche und Reliquare, die die Ausstattung des alten Zisterzienserklosters gebildet hatten. Goldschmiedeerzeugnisse gelangten aus dem Kulmser Dom in die Pepliner Schatzkammer, nachdem 1824 der Bischofssitz nach Peplin verlegt wurde. Die restlichen Kunstwerke stammen aus Klöstern und Pfarrkirchen.

Eine zweibändige als einzigste in Polen aufbewahrte Gutenberg-Bibel, zeichnet sich aus durch den aus dem 15.Jh. stammenden Einband, der von dem Lübecker Buchbinder Heinrich Coster ausgeführt wurde.
In dem deutsch-polnischen Begleitband von Dr.Roman Ciecholewski wird das überaus reiche künstlerische Schaffen in der ehemaligen Provinz Westpreußens vorgestellt und dokumentiert.

Auferstandener Christus aus Odry, Kr. Konitz
Auferstandener Christus aus Odry, Kr. Konitz

Das Buch zur Ausstellung:
Ciechlowski, Roman: Quis ut Deus. Schätze aus dem Diözesanmuseum Peplin. Kunst zur Zeit des Deutschen Orden. Lüneburg 2001, ISBN 3-932267-27-3, / DM 47,- ist während der Ausstellung im Landesmuseum erhältlich.

Die Schirmherrschaft über die Ausstellung haben die Bischöfe von Peplin und Hildesheim, Prof. Dr. Bernhard Szlaga und Dr. Josef Homeyer, übernommen.

 
Fragment aus der Szene Apostelköpfe
Fragment aus der Szene Apostelköpfe "Mariä Himmelfahrt" des ehemaligen Hochaltars im Dom zu Frauenburg
Madonna aus Westpreußen
Madonna aus Westpreußen
 
Die Ausstellung läuft vom
03. Februar bis 27. Mai 2001
im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag
von 10.00 bis 17.00 Uhr
Tel: 04131/759950
e-mail: Ostpreuss.Land.-museum@t-online.de

 
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