150 Besucher kamen zur Ausstellungseröffnung
"Mattheus Deichelbohrer"
im Museum für das Fürstentum Lüneburg

Mattheus Deichelbohrer - Ausstellung zum 100. Geburtstag
Ölgemälde - Graphik - Pastelle
 
60 Jahre lang lebte Mattheus Deichelbohrer in der Lüneburger Region und beschäftigte sich eingehend, sichtbar durch seine Bilder, mit der Landschaft dieser Region.
Bürgermeisterin Birthe Schellmann eröffnete vor 150 Besuchern in Stellvertretung für den Schirmherren, OB Ulrich Mädge die Ausstellung. Jürgen Hagen sorgte mit Eigenkompositionen (Soli für Violoncello) für die musikalische Umrahmung der Ausstellungseröffnung. Er spielte: "Meditation", "Erzählung", und "Fantasie".

Am 17. Januar wäre Mattheus Deichelbohrer (17.01.1902 - 06.11.1991) 100 Jahre alt geworden. Diese Retrospektive ist eine einzigartige Zusammenstellung von 50 Werken des Künstlers, die nur mit Hilfe von Annemarie Deichelbohrer, der Witwe des Künstlers, und durch das Engagements Dr. Eckhard Michaels und sein Team möglich wurde.

Annemarie Deichelbohrer stellt die Ölgemälde, Pastelle und Grafiken M. Deichelbohrers aus Privatbesitz zur Verfügung
Annemarie Deichelbohrer stellt die Ölgemälde, Pastelle und Grafiken M. Deichelbohrers aus Privatbesitz zur Verfügung
 
Dr. Eckhard Michael, Museumsdirektor im Museum für das Fürstentum Lüneburg führte in das Werk M. Deichelbohrers ein
Dr. Eckhard Michael, Museumsdirektor im Museum für das Fürstentum Lüneburg führte in das Werk M. Deichelbohrers ein
Dr. Eckhard Michael, Museumsdirektor des Museums für das Fürstentum Lüneburg führte in die Ausstellung und das Werk Deichelbohrers ein: Die Ausstellung ist chronologisch konzipiert und stellt als Abschluss eines Zeitabschnitts ein Selbstportrait des Künstlers dar.

Der Maler und Graphiker "führt uns" sein künstlerisches Lebenswerk vor Augen. In der Ausstellung werden Bilder in harmonischem Kontrast gezeigt. Alte und neue Werke sind vergleichbar mit ca. 50 Jahren Unterschied. Die Ausstellung ist eine Widmung an sein Lebenswerk.

M. Deichelbohrer wurde am 17.01.1902 in Seligenstadt/Main geboren. Von 1918 bis 1920 absolvierte er eine Ausbildung als Lithograph und besuchte die Kunstgewerbeschule in Offenbach. Darauf folgte ein Studium am Staedel'schen Kunstinstitut Frankfurt/Main. Nach Aufenthalten in Italien, Hamburg und Berlin siedelte er 1931 nach Heiligenthal bei Lüneburg um.
M. Deichelbohrer war ein Künstler, der sich stets mit Landschaftsdarstellungen befaßte. Der radikale Ortswechsel von Hessen nach Niedersachsen bedeutete eine deutliche Zäsur für das Leben des Künstlers.

Er fand endgültig zu einer Landschaft, die ihm fortan, bis zum Ende seines Lebens, konstantes Thema für künstlerische Arbeit blieb. Entbehrungen und Stagnation erlitt Deichelbohrer während des nationalsozialistischen Regimes, da er sich weigerte der "Reichskulturkammer" beizutreten. Somit waren ihm jegliche Ausstellungsmöglichkeiten in Deutschland genommen.

Selbstbildnis, Öl/Preßplatte, 1960er Jahre
Selbstbildnis, Öl/Preßplatte, 1960er Jahre

Auch die Jahre nach 1945 waren beschwerlich und nur allmählich konnte Deichelbohrer seine Existenz konsolidieren. Sein "Geheimnis doch zu Überleben" war die Erreichung und Erhaltung der inneren Ruhe. Seine Absicht war positiv zu wirken. Er wollte mit seinen Bildern Freude bereiten, Ablenkung vom Negativen erreichen und den Sinn frei machen von alltäglichen Problemen.

Kornfelder, Öl/Hartfaser, 1977
Kornfelder, Öl/Hartfaser, 1977
Der Fundus aus dem großen Nachlaß Deichelbohrers ist vielschichtig. Die Ölbilder sind an der vordersten Stelle des Gesamtwerkes zu betrachten. Ölbilder gab er seine größte Aufmerksamkeit, er entwickelte ein ganz eigenes Verfahren der Schichtauftragung.
Deichelbohrer ging es nicht einfach nur um das Abbilden einer Landschaft. Die Landschaftsbilder sind mehr als eine Wiedergabe der Natur. In ihnen spiegelt sich seine Weltsicht wieder, die weder belehrend noch provokativ wirkt.
Auf den ersten Blick wirken die Bilder impressionistisch. Deichelbohrer bedienst sich aber einer ganz anderen Technik: Die Strukturen der Gegenstände (Bäume etc.) werden farblich hervorgehoben. Die Farbe wird als Substanz betrachtet und entsprechend aufgetragen.

M.Deichelbohrer Kunstwerke sind stille und zurückhaltende Bilder "unserer heimatlichen Landschaft", in denen in besonderem Maße das Licht in den Vordergrund gestellt wird: Das goldene und stahlblaue Licht in Deichelbohrers Landschaftsbilder weisen in ihrer Aussage über die Zeit hinaus. Das Licht wird objektiviert. Einzelheiten treten zugunsten des Gesamten zurück.

In seinen Pastellen behandelt Deichelbohrer Landschaften durch die "andere Technik" impulsiver:
Intention ist bei den Pastellen das Einfangen des Augenblicks, konkret und temperamentvoll. Auffällig ist weiterhin, daß Menschen und Menschenwerk fast ganz fehlen, begründet durch das Ziel Deichelbohrers,den Menschen eine "immer noch freundliche Umwelt" zu zeigen.
In seinen Portraits sollte etwas vom Wesen des Menschen zu Tage kommen. In einer ganzen Reihe von Selbstbildnissen, wird deutlich, daß Deichelbohrer fähig zur sorgfältigen Analyse und Selbstreflexion war.
Einer der zahlreichen Gäste studiert Deichelbohrers Lebenswerk
Einer der zahlreichen Gäste studiert Deichelbohrers Lebenswerk

"Das Licht ist die Voraussetzung unseres Lebens." Licht und Dunkelheit, aufeinander bezogen, sind das eigentliche Spannungsfeld in seinen Werken. Tatsächlich erreicht Deichelbohrer sein Ziel:
Er schafft eine positive Stimmung durch seine Bilder.
Wer die Ausstellung besucht kann nachvollziehen was mit "Strukturkraft der Farben und vor allem ihrer einmaligen Leuchtkraft gemeint ist. Ein Besuch lohnt sich.

  • Jeden Sonntag um 11.30 Uhr findet eine Führung durch die Ausstellung
    mit Annemarie Deichelbohrer statt.
  • Die Ausstellung ist vom 20. Januar bis 16. Februar 2002
    im Museum für das Fürstentum Lüneburg zu sehen.
 
Die Ausstellung zum 100sten Geburtstag von Mattheus Deichelbohrer ist der Auftakt für ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm im Museum für das Fürstentum Lüneburg im ersten Halbjahr 2002.
    Hierbei ist der Start von drei neuen Veranstaltungsreihen besonders zu erwähnen.
  • Der LANDtag im Fürstentummuseum am 24. März ist eine Veranstaltung rund um die Plattdeutsche Sprache, mit Lesungen, Musik und Aufführungen. Er soll zukünftig jährlich stattfinden.
  • Vierteljährlich gibt es in Zukunft eine sonntägliche Matinee, bei der Museumsdirektor Dr. Michael jeweils ein besonderes Thema in den Mittelpunkt von Kurzvorträgen und Führungen stellt.
  • Eine neue monatliche Veranstaltungsreihe ist die KULTURWERKSTATT IM MUSEUM. Hierbei stellen unterschiedliche Künstler und Kulturschaffende aktuelle Arbeiten vor. Programm ist die Vielfalt. Der Beginn ist der 17. März mit "Offener Kammermusik" in verschiedenen Besetzungen.
Museum für das Fürstentum Lüneburg
Wandrahmstr. 10
21335 Lüneburg
Tel: 04131/43891
20.01.2002
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