| Juli 2003
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Aktuelles aus Lüneburg |
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Cadiner Keramik - Glanz der Ostpreußischen Kunst
Eröffnung der Ausstellung "100 Jahre Cadiner Keramik 1903 -2003"
im Ostpreußischen Landesmuseum
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Cadiner Keramik hat seit ihrer Entstehung nichts an ihren Reiz verloren, sondern nur dazu gewonnen. Bestätigt haben dies die vielen Besucher der
Ausstellungseröffnung "100 Jahre Cadiner Keramik 1903 - 2003" am 04. Juli 2003
im Ostpreußischen Landesmuseum.
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Viele Sammler, Liebhaber und Interessierte ließen es sich nicht nehmen die größte Ausstellung Cadiner Keramik seit 1945 zu genießen. Über 250 Exponate werden gezeigt. Hierbei handelt es sich um Objekte aus der ständigen Ausstellung des Ostpreußischen Landesmuseums, insbesondere aber um Leihgaben aus Privatsammlungen. Der größte Teil wurde von Helmut Niederhaus zur Verfügung gestellt, ein leidenschaftlicher Sammler seit 1960, der während der Ausstellungseröffnung zu jedem seiner Exponate eine Geschichte erzählen konnte.
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 Der Sammler Helmut Niederhaus zeigt auf die Jahreszahl 1903
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Museumsdirektor Dr. Ronny Kabus bezeichnete die Cadiner Erzeugnisse mit den Worten: "Schlichtheit, Eleganz und Glanz der Ostpreußischen Kunst."
Er bedankte sich für die großzügigen Leihgaben und allen Mitarbeitern, die zu dieser großartigen Ausstellung beigetragen haben. Insbesondere auch bei Dr. Jörn Barfod, Kustos des Ostpreußischen Landesmuseums und Autor der Ausstellung.
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Filmausschnitt des UFA-Kulturfilms "Kunst aus Erde" von 1938 |
Bei der Ausstellungseröffnung erlebten die Besucher Geschichte "hautnah". Gezeigt wurden Sequenzen des UFA-Kulturfilms "Kunst aus Erde" von 1938, der detailliert die Herstellung Cadiner Keramik darstellte.
Vom Ton abtragen über die Formerei und Glasierung bis hin zum Versand in die ganze Welt. Eines wurde deutlich: die Herstellung hoher dünnwandiger Vasen erforderte jahrelange Übung und Fingerspitzengefühl.
Dr. Jörn Barfod, der das Begleitheft "Des Kaisers Keramik - 100 Jahre Königliche Majolika-Werkstätten Cadinen" zusammengestellt hat, erläuterte die besondere Entstehungsgeschichte der "Majolika-Werkstatt Cadinen":
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| Cadinen liegt nördlich von Elbing, umringt von einer der schönsten Landschaften Ostpreußens. Zu Cadinen gehörte ein landwirtschaftlicher Betrieb, ein großer Forst, Tongruben und eine Ziegelei. Außerdem gab es ein Töpfereizentrum in der nahe gelegenen Kleinstadt Tolkemit.
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Seit 1898 befand sich das Gut Cadinen im Besitz Kaiser Wilhelm II. und wurde Sommersitz der Familie.
Die Landwirtschaft wurde von Wilhelm II. zum Musterbetrieb ausgebaut und es wurde eine moderne
Dampfziegelei errichtet. Durch die künstlerische Neigung Wilhelm II. und dem Bestreben,
den von Arbeitslosigkeit bedrohten Töpfern der Gegend Arbeit zu verschaffen, ließ er 1903 eine
Manufaktur für Terrakotta und Majolika einrichten.
Begonnen wurde mit der Herstellung von Gefäßen und figürlichen Reliefs . Bis 1945 bestand die Manufaktur und ist fester Bestandteil Ost- und Westpreußischer Kulturgeschichte. Das historische Interesse wird von der polnischen Bevölkerung geteilt.
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Dr. Jörn Barfod, Autor der Ausstellung |
Ab 1918 wurden viele Gebrauchstücke wie Vasen, Kaffeegeschirr und Kachelöfen hergestellt
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Der Name "Majolika" leitet sich von Mallorca ab und bezeichnete ursprünglich italienische, weiß und farbig glasierte Keramik. Die Vasen wurden nach Vorbildern der italienischen Renaissance oder mit Renaissance-Motiven hergestellt.
Majolika ist im Zuge des Historismus zur Mode geworden.
Es sollten feingliederigere Sachen als Backstein hergestellt werden.
Auf alten Photos sieht man, dass anfangs Vasen und Figürliches, Terrakotta und unglasierte Objekte hergestellt wurden.
Viele Künstler aus dem Kreis der Berliner Kunstakademie wurden von Wilhelm II. beauftragt Entwürfe für die Majolikawerkstatt Cadinen zu kreieren.
Jedes Stück, jeder neuer Entwurf brauchte die Genehmigung des Kaisers.
Dadurch ist jetzt nachvollziehbar welchen Kunstgeschmack er hatte.
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Bis 1918 entwickelte sich auch die aufwendige Baukeramik. Es entstanden oft ganze Raumdekorationen, wovon die meisten im 2. Weltkrieg zum Opfer gefallen sind.
Das besondere der Cadiner Keramik ist auch, dass die Herstellung zu Kaisers Zeiten nicht gewinnorientiert war.
Nach der Abdankung des Kaisers musste Cadinen sehen was es machen wollte.
Ab 1918 wurden viele Gebrauchstücke wie Vasen, Kaffeegeschirr und Kachelöfen hergestellt und auch die Baustoffproduktion ging weiter.
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Mitte der 20er Jahre wehte ein neuer Wind in die Produktion. Es entstanden ähnliche Stücke wie um 1910 aber auch neue expressive Stile wurden umgesetzt.
1927 entstand der beispielhafte klassische Farbdreiklang der Cadiner Farben: Rotbraun, Blau, und Gold.
Keramik wurde in Cadinen bis in die späten 30er Jahre manuell hergestellt, Dadurch erlangten die Erzeugnisse eine hohe Individualität und eine breite Produktionspalette. Es wurde keine Massenware hergestellt, es tauchten immer wieder neue Modelle auf.
Um 1930 entstand die breite Palette von Tierkeramik, die zur Bekanntheit der Cadiner Keramik wesentlich beitrug. Diese Kunstperiode lässt sich bis 1944 nachweisen.
Das Ende der Majolika-Werkstatt Cadinen kam mit dem Ende des 2. Weltkrieges durch den Einzug der russischen Armee. Die Baustoffproduktion blieb erhalten.
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 1927 entstand der beispielhafte klassische Farbdreiklang der Cadiner Farben: Rotbraun, Blau, und Gold
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| Begleitend zur Ausstellung bietet die Museumspädagogik des Ostpreußischen Landesmuseums das Sommerferienprogramm "TON - STEINE - KACHELN" an.
Jeweils 1 Woche lang vom 21.07 bis 25.07 und 28.07 bis 01.08. täglich von 13.30 bis 16.00 Uhr.
Es ist geeignet für Kinder von 8 bis 14 Jahren.
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Außerdem wird im Zusammenhang mit der Ausstellung zum Thema Cadiner Keramik eine Studienfahrt vom 07. bis 14. September 2003 angeboten. Auf dem Programm stehen u.a. Besuche der Städte Danzig, Elbing, Frauenburg und Marienburg mit Stadtführungen, Museumsbesuchen u.v.m.
Begleitet wird die Exkursion von Dr. Jörn Barfod, der für die fachliche Seite zuständig ist und Julita Venderbosch, die die Reise organisiert und die Übersetzungen vornimmt.
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Die Ausstellung läuft bis zum
19. Oktober 2003
im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg Ritterstr. 10, 21335 Lüneburg
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag von 10.00 bis 17.00 Uhr |
Weitere Informationen:
www.ostpreussisches-landesmuseum.de
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