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St. Johannis
zu Lüneburg

St. Johannis

 

Die Geschichte der Orgel

 
 

Brabanter Orgel
mit Pfeifenbestand aus dem 16. Jahrhundert

Die Orgel füllt die Westwand des Mittelschiffes. Sie baut sich in barocker Schönheit bis an den Scheitel des Gewölbes auf, der hier mehr als 22 m über dem Fußboden liegt.
Der überwältigenden äußeren Erscheinung entspricht ihre Klangfülle (51 Register auf 3 Manualen mit Pedal).

Ihre Baugeschichte geht bis in das 15. Jahrhundert zurück. Als man sich 1551 zur Erbauung einer neuen Orgel entschloß, wandte sich die Hansestadt nach Brabant. 1553 hatten dann Hendrik Niehoff (um 1495-1560) und Jasper Johannsen aus s'Hertogenbosch die Orgel fertiggestellt, vom heutigen Prospekt der mittlere Teil.

Hendrik Niehoffs überragende Bedeutung liegt darin, daß er die vielen technischen und künstlerischen Neuerungen im Orgelbau, die im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert entstanden waren, zur Brabanter Orgel zu verbinden wußte, der besten Repräsentantin der klassischen, niederländischen Renaissanceorgel überhaupt. Diese Orgel wurde durch ihre Disposition und technische Qualistät zum führenden Instrument des 16. Jahrhunderts. Ihr Einfluß reicht, abgesehen von Italien, über ganz Europa.(Maarten Albert Vente in MGG 9/1512)

Die Renaissanceorgel ist der Kern der heutigen. 1578 wurde ein Subbaß von 16 von Dirk Hoyer aus Hamburg hinzugefügt.
Matthias Mahn aus Buxtehude baute eine neue Lade für die Pedalregister Trompete und Bauernflöte.
1619 zählte Michael Prätorius in seiner "Organographia" (Syntagma musicum) die Johanniskirchenorgel zu den bedeutendsten in Deutschland.

Aus den Jahren 1651/52 ist eine Überholung durch Friedrich Stellwagen aus Lübeck, Erbauer der dortigen weltberühmten "Kleinen Jacobiorgel" belegt.

Georg Böhm, geboren 1661 in Ohrdruf in Thüringen, war von 1698 bis zu seinem Tode 1733 Organist an St. Johannis. Ihm verdanken wir eine Erweiterung der Orgel durch den Lüneburger Matthias Dropa in den Jahren 1712-1714.
Mit den dann vorhandenen Registern erklangen seine Orgelwerke also das erste Mal. Dropa buate die Pedaltürme, die später mit dem alten Prospekt durch barocke Schleierbretter verziert wurden, um der Orgel ein einheitliches "Gesicht" zu geben. Die Springladen ersetzte Dropa durch Schleifladen.

Mit genialem Können verwandelte er den Renaissanceprospekt so in ein Barockkunstwerk von unvergleichlicher Majestät. Aus dem Jahre 1850 ist dann eine Renovierung mit Erneuerung der Schleifladen durch Eduard Meyer, Hannover, überliefert. Oskar Walcker, Ludwigsburg, ersetzte diese anläßlich einer Erweiterung 1922 und 1926 durch eine pneumatische Traktur und fügte ein 4. Manual hinzu, dessen Pfeifen von Lüneburger Familien zum Gedenken an gefallene Angehörige gestiftet wurden.

1952/53 restaurierte Rudolf von Beckerath, Hamburg, die Orgel.
Der wiedergewonnenen Einsicht in die Qualität des Orgelbaus folgend, baute er eine neue mechanische Traktur und dafür einen neuen Spieltisch. Durch eine Umluftheizung entstanden in den 60er Jahren. Trocknungsschäden, Risse in den Laden, die eine erneute Restauration notwendig machten.

1975/76 baute v. Beckerath neue Laden, eine neue Traktur und fügte 1953 und 1976 insgesamt 13 neue Register gemäß der Disposition Georg Böhms hinzu.

Nach einer wechselvollen Geschichte durch nahezu vier Jahrhunderte beglückt die Orgel nach wie vor durch ihren ausgewogenen Klang, bezogen auf den fünfschiffigen Raum ihrer Kirche und durch eine Harmonie, die die Hörer in jedem Gottesdienst, in vielen Orgelkonzerten und auf Schallplatten beeindruckt.

 
 
 

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